Statements des HWK-Präsidenten Hans Hund

Hauptgeschäftsführer Herr Dr Thomas Ostendorf und Präsident Hans Hund
An dieser Stelle erhalten Sie eine Übersicht von Statements unseres Kammerpräsidenten Hans Hund zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die Interessen das Handwerks und unserer über 28.000 Betriebe sowie der mehr als 191.000 Beschäftigten im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region.

Ein wichtiges Signal für die Zukunft

HWK-Präsident Hans Hund zur Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Gewerken

Die Bundesregierung hat sich auf die Wiedereinführung der Meisterpflicht in zwölf Handwerksgewerken geeinigt. Das Kabinett stimmte dem Gesetzesentwurf von Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zu. Ich begrüße diese Entscheidung ganz ausdrücklich. Es ist ein sehr wichtiges Signal für die Zukunft sowie für die notwendige Fachkräftesicherung, die Nachwuchssicherung und somit auch für die nachhaltige Unternehmensentwicklung im Handwerk.
Die Abschaffung des Großen Befähigungsnachweises als Voraussetzung für die Selbstständigkeit in 53 Berufen im Jahr 2004 war ein Irrweg. Ohne den Meisterbrief gehen Wissen und Können vieler Berufe verloren. Gut ausgebildete Fachkräfte und Meister besitzen wertvolles Wissen. Aber auch Lehrlinge bringen aus der überbetrieblichen Lehrlingsunterweisung neues Know-how in die Betriebe mit; sie treiben Innovationen an. Diesen Wissenstransfer brauchen wir.

Die betreffenden Gewerke werden mit mehr Meistern gewiss auch für den Berufsnachwuchs wieder attraktiver. Die Gesellen werden einen Vorteil gegenüber anderen Beschäftigten ohne Qualifikationsnachweis haben. Umgekehrt wird die Einführung des Großen Befähigungsnachweises als Voraussetzung einer Existenzgründung auch in den Meisterbetrieben dieser Berufe die Bereitschaft zur Ausbildung entfalten. Diese Branchen bekommen wieder eine größere Zukunft.
 
Zwar gab es nach der Abschaffung der Meisterpflicht einen Gründungsboom, aber zumeist kleiner Betriebe mit zum Teil nur kurzer Lebensdauer. Das führte zu einer massiven Absenkung des Qualifikationsniveaus und einem Verlust von Ausbildung.
 
Ich bin froh, dass die Entwicklungen von damals mit dem jetzigen Beschluss der Bundesregierung zum Teil korrigiert wurden. Die Betriebe werden wieder nachhaltiger wachsen und die Qualität der Ausbildung wird sich signifikant verbessern. Das kommt allen zugute.

 
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Würdigung des Ehrenamtes

Ehrenamtliches Engagement ist ehrenvoll. Es ist uns sehr wichtig. Es ist Voraussetzung für die Selbstverwaltung des Handwerks.

„Ohne die vielen Frauen und Männer, die in Deutschland ein Ehrenamt ausüben [...], wäre unser Land um Vieles ärmer und unser Gemeinwesen so nicht denkbar“, sagte Helmut Kohl 1998. Rund 3.700 Ehrenämter werden im Handwerk des Kammerbezirks Münster übernommen.
Der freiwillige Einsatz für den eigenen Berufsstand oder das Handwerk insgesamt geschieht neben dem Beruf, in der Freizeit, die für die Sache geopfert wird, in der auch Familie und Freunde auf gemeinsame Zeit verzichten.

Nicht selten üben diejenigen, die Verantwortung innerhalb des Handwerks übernehmen, auch Ehrenämter für andere Zwecke aus – für Politik, Feuerwehr und Rettungsdienste, Kultur, Sport, Brauchtumspflege, Kirchen, Umwelt und Natur, Soziales und berufliche Interessenvertretung außerhalb des Handwerks. Die Gesellschaft braucht Freiwilligenarbeit, und viele Handwerker sind aus Pflichtgefühl, Freude und dem Willen zur Mitgestaltung der Zukunft bereit sich einzubringen.

Ehrenamtliches Engagement ist ehrenvoll. Es ist uns sehr wichtig. Es ist Voraussetzung für die Selbstverwaltung des Handwerks.

Wir wollen es in der Öffentlichkeit noch mehr würdigen und auch seine herausragende gesellschaftliche Bedeutung herausstellen. Außerdem möchten wir gern wissen, welche Verbesserungen sich Ehrenamtler im Handwerk zur Förderung ihres Einsatzes wünschen. Deshalb haben wir eine Umfrage durchgeführt, deren Ergebnisse wir bald auf dieser Webseite veröffentlichen werden. Ich danke Ihnen herzlich für den Beitrag zur beruflichen Selbstverwaltung im Handwerk und alle Aufgaben, die Sie vielleicht darüber hinaus wahrnehmen.

Überdies möchte ich Jungunternehmerinnen und -unternehmer ermutigen, sich einzubringen und dadurch persönlich und fachlich neue Erfahrungen zu machen und daran zu wachsen. Denn ein Ehrenamt ist eine ideelle Bereicherung des Lebens. Man kommt mit Menschen in Kontakt, die man sonst vielleicht nie kennengelernt hätte, und kann daraus viele neue Impulse für sich ziehen. Das Gefühl, gebraucht zu werden, trägt zur eigenen Lebenszufriedenheit bei.

Wer Interesse daran hat oder sich erste Eindrücke verschaffen möchte, kann einfach Kontakt zur nächsten Innung und damit zu Berufskollegen aufnehmen. Oder schauen, ob im Programm der Junioren des Handwerks Kammerbezirk Münster oder bei den Unternehmerfrauen im Handwerk etwas Interessantes dabei ist. Es gibt viele Möglichkeiten, sich im Handwerk einzubringen – und etwas zurückzubekommen.

Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

 

Gelebte Führungskultur ist entscheidend

HWK-Präsident Hans Hund zur Personalrekrutierung im Handwerk

Die Zeiten, in denen die Bewerber um einen freien Ausbildungsplatz oder eine Arbeitsstelle Schlange standen und die Betriebe unter vielen Kandidaten den Besten aussuchen konnten, sind schon länger vorbei. Heute müssen sich die Betriebe oft darum bemühen, überhaupt Berufsnachwuchs und Fachkräfte zu finden und dann auch zu halten.
Die Arbeitsmarktlage unterscheidet sich zwar von Region zu Region, von Branche zu Branche und Betrieb zu Betrieb. Aber im Prinzip müssen alle etwas für Ihre Personalrekrutierung und die Belegschaft tun, wenn sie zukunftsfähig sein wollen. Denn für viele Arbeitnehmer ergeben sich leicht Alternativen zum Wechsel zu einem anderen Arbeitgeber und zur beruflichen Veränderung, wenn sie unzufrieden mit Vorgesetzten, Arbeitsbedingungen oder dem Betriebsklima sind.
 
Gleichzeitig steht ein kleiner oder mittlerer Handwerksbetrieb vor der Herausforderung, dass er mit den Anreizen der Großunternehmen für gute Köpfe nur mithalten kann, wenn er sich besonders ins Zeug legt. Viele sind hier schon kreativ und haben neue Wege eingeschlagen.
 
So lässt sich das neue Azubi-Ticket für Lehrlinge in NRW als Werbeinstrument für die Nachwuchsgewinnung nutzen. Betriebe können die Kosten ganz oder teilweise übernehmen und damit bei Bewerbern punkten.
 
Der Personaltag der Handwerkskammer Münster serviert weitere Ideen und Erfolgsrezepte für das Gewinnen, Fördern und Begeistern von Fachkräften auf dem Tablett. Es geht um Jugendansprache, das Wecken von Interesse an einer Ausbildung im Handwerk und die ganze Bandbreite von verfügbaren Vermittlungsplattformen. Es geht um Weiterbildung und die rechtzeitige Vorbereitung der Betriebsübergabe an Nachfolger. Es geht um gute Ausbildung, Familienfreundlichkeit als Wettbewerbsfaktor und letztlich die Zufriedenheit am Arbeitsplatz, damit die geschätzten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch bleiben.
 
Die gelebte Führungskultur ist entscheidend für das gute Zusammenspiel zwischen Belegschaftsteam und Chef. Die HWK lädt Sie ein, sich auf dem Personaltag Anregungen für dieses Spiel zu holen, neue Ansätze kennenzulernen und sich mit anderen über Ihre Erfahrungen auszutauschen.
 
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster
 

Winterzeit ist mein Favorit

HWK-Präsident Hand Hund zur Zeitumstellung

Die EU-Kommission schlägt vor, dass die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union bis Ende März entscheiden sollen, ob sie ständig in der Sommer- oder Winterzeit leben wollen. Vorausgegangen war im Sommer eine Online-Umfrage der Kommission.
Hintergrund sind die gesundheitsschädlichen Wirkungen durch die Zeitumstellung. In der Umfrage votierten die meisten Teilnehmer für eine Abschaffung der Zeitumstellung mit Vorliebe für die ganzjährige Sommerzeit.
 
Der Biorhythmus soll ja ziemlich individuell sein, wie auch Wissenschaftler festgestellt haben; die einen sind eher Morgenmuffel und die anderen Frühaufsteher – es gibt die Nachtigallen und die Lerchen, wie schon der Volksmund weiß. So unterschiedlich die Konstitution, so verschieden ist wohl auch die Vorliebe für einen hellen Morgen oder möglichst langes Tageslicht am Abend. Man wird es nicht allen recht machen können.
 
Was aber die Sommerzeit im Winter bedeutete, sollte man sich vergegenwärtigen: Es wäre dann bei uns in der dunkelsten Zeit nämlich erst gegen 10 Uhr hell. Das ist für viele Menschen, die morgens bei der Arbeit sein müssen, ein Horror. Darüber hinaus ist es auch insgesamt eine Stunde länger dunkel! Weniger Tageslicht beeinträchtigt die Stimmung und die Gesundheit immer.
 
Chronobiologen zufolge sind Schüler morgens um 8 Uhr noch nicht so leistungsfähig wie zu einem späteren Zeitpunkt – was mit der biologischen Uhr zu tun haben soll. Das Licht hat einen großen Einfluss auf das innere Zeitempfinden. Die Sommerzeit im Winter würde diese Beeinträchtigungen wohl verstärken. Wenn man den Schulbeginn deshalb generell verschöbe, hätte das wiederum Auswirkungen auf Busfahrpläne und die Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Auf diese Weise käme die ewige Sommerzeit indirekt bei den Handwerksbetrieben an, wenn Eltern ihre Kinder morgens länger versorgen müssen.
 
Können zudem alle Außengewerke erst später – wenn man bei Tageslicht genügend sieht – mit der Arbeit beginnen, müssen sich auch Kunden darauf einstellen, deutlich länger zu warten, bis der Handwerker loslegt. Bei kürzeren Tagen wird er zudem auch nur kürzer arbeiten können.
 
Die Folgen einer ewigen Sommerzeit gehen über persönliche Vorlieben weit hinaus. Mein Favorit ist ganz klar die schon lange erprobte Winterzeit – auch wenn ich die langen Sommerabende immer sehr genossen habe und ich Sie schon jetzt vermisse.
 
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster
 

Entwicklung von Werten

In der Entwicklungszusammenarbeit fachlich und persönlich über sich hinauswachsen

Rund 30 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Kammerbezirk Münster haben in den vergangenen zwei Jahren die Chance wahrgenommen: Sie wagten den Schritt nach Afrika und Asien, um in einem geförderten Projekt der Entwicklungszusammenarbeit fachlich und persönlich über sich hinauszuwachsen – sie haben „Kopf und Herz geweitet“, wie viele Rückkehrer berichteten
Am beeindruckendsten war für die meisten Junghandwerker aus Deutschland die Bescheidenheit von Menschen in Nepal, Ghana und anderswo, die, auch wenn sie in Armut leben, Zufriedenheit ausstrahlen. Bei der partnerschaftlichen Errichtung von Gebäuden mit  Einheimischen verschiebt sich oftmals das eigene Wertegefüge hin zu mehr Verständnis und Menschlichkeit. Man lernt fernab vom europäischen Zuhause das Wesentliche noch einmal anders zu schätzen.
 
Darüber hinaus sehen wir bei der Handwerkskammer regelmäßig (die HWK unterstützt die Organisation eines solchen Vorhabens), dass die jungen Menschen nach ihrer Heimkehr von mehrwöchigen Einsätzen flexibler im Denken und Handeln geworden sind. Sie wissen jetzt mehr denn je, dass Ziele erreichbar sind, vielleicht auch auf anderen Wegen als den vertrauten. Dieses Selbstbewusstsein ist höchst kostbar für den eigenen Lebens- und Berufsweg.
 
In interdisziplinären Teams der Entwicklungszusammenarbeit erfahren die Teilnehmer, dass sie bei diesen Einsätzen sehr begehrte Kräfte sind. Handwerkern kommt ein hoher Stellenwert im Entwicklungsdienst zu. Oft arbeiten sie Hand in Hand mit Studierenden zusammen. Da zählt dann allein das Projekt, Unterschiede zwischen Bildungsgängen verwischen. Insofern tragen solche Einsätze auch zur Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung bei. Nicht zuletzt zeigen sie, dass Handwerker mehr als Humankapital sind, sondern eine Wirtschaftsgruppe, die Verantwortung übernimmt: vor Ort, in der Region, im Heimatland und sogar weltweit.
 
Von den jungen Handwerkern, die ihren Horizont in einem Entwicklungsprojekt ausdehnen konnten, profitieren auch Betriebe: Der Fach- und eventuell Führungskräftenachwuchs kommt mit höheren sozialen und handwerklichen Kompetenzen zurück. Das ist eine Bereicherung für  den Umgang mit neuen Problemstellungen, dem Kollegenkreis und Kundenstamm. Es ist gut und  richtig, dass die Zusatzqualifikation „Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit“ diese Kompetenzen für die berufliche Vita bescheinigt.
 
Ich möchte noch mehr Handwerker auf diese Chance aufmerksam machen und Betriebe dafür gewinnen, Auszubildende und junge Fachkräfte zur Teilnahme an den spannenden Projekten zu ermuntern und zu begeistern, auch wenn sie dann einige Wochen bei der Arbeit hier fehlen. Das Engagement lohnt sich in vielerlei Hinsicht für beide auf Dauer.
 
Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster
 

Fachkräftemangel vorbeugen

Personal ist existenzielle Aufgabe

Vier von 2.453 Handwerksbetrieben, die im vergangenen Jahr geschlossen haben, gaben bei der Handwerkskammer Münster als Grund Arbeitskräftemangel an. (Möglicherweise waren es noch mehr, die aber nur „Sonstige Gründe“ nannten.) Vier sind wenig – 0,01 Prozent –, aber sie sind Warnungen, was passieren kann, wenn ein Unternehmen kein passendes Personal findet.
Das Risiko steigt, je näher die Welle der heute 50-Jährigen Babyboomer heranrollt, die sich aus dem Berufsleben verabschieden. Bis 2031 werden sie in Rente gehen, gefolgt von weiteren sehr geburtenstarken Jahrgängen. Ein weiterer Aspekt der Alterspyramide ist umwälzend: 2015 bis 2016 schlossen in NRW 54.727 Jugendliche und junge Erwachsene eine allgemeinbildende Schule ab. Das waren 5.843 – rund zehn Prozent – weniger als zehn Jahre zuvor. Die Entwicklung setzt sich fort. Damit einher geht ein immer stärkeres Buhlen um den Berufsnachwuchs, in manchen Branchen und Bildungszweigen mehr, in anderen weniger, aber alle sind betroffen.

Der Wandel rüttelt Personalverantwortliche in Unternehmen auf. Auch bei der Handwerkskammer rückt die Fachkräfte-Initiative vehement ins Zentrum der Aktivitäten. Die sich zuspitzenden Veränderungen sollten nicht bange machen, sondern als existenzielle Zukunftsaufgabe verstanden werden, die mit Elan gemeistert werden will: Das Handwerk braucht Berufsnachwuchs, Fachkräfte und Talente – und es hat die große Chance, die Jugend von seinen Karriereoptionen zu überzeugen. Das spiegeln die steigenden Ausbildungszahlen der letzten Jahre wider, darunter auch ein wachsender Anteil Abiturienten.

Darüber hinaus geht es darum, alle Register zu ziehen: bisher eher Benachteiligte auf dem Arbeitsmarkt anzusprechen, berufliche Kompetenzen durch Weiterbildung ständig zu entwickeln, Beruf und Familie besser zu vereinen, die Motivation der Beschäftigten zu erhöhen, Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu fördern, Anreize zu geben. Auch die Digitalisierung kann bei der Bewältigung von Arbeitsprozessen helfen.

Neue Ansätze, innovative Impulse, Lernen von erfolgreichen Beispielen, bewährte Tipps aus der Praxis, all das steht im Fokus des zweiten Großen Personaltags der Handwerkskammer am 14. März. Dazu sind alle Handwerksbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region eingeladen. Wir freuen uns über Ihr Interesse an einer gewiss spannenden Veranstaltung mit Information und Austausch – damit es möglichst keine Betriebe gibt, die wegen Personalmangel schließen müssen.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Wertschätzung ist kein Schnickschnack

In unserer Zeitenwende, in der sich Althergebrachtes immer schneller auflöst, um Neuem Platz zu machen, in der Unruhe und politische Umwälzungen zunehmen, gewinnt  Zusammenhalt immer mehr an Bedeutung. Es geht um gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt. Das lohnt sich!
Handwerk zeichnet sich mit seiner Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen traditionell durch starken Zusammenhalt aus. Man weiß: Der Erfolg des Arbeitgebers hängt vom Erfolg der Beschäftigten ab, und der Erfolg des Arbeitnehmers vom Unternehmenserfolg.
 
Gegenseitige Wertschätzung und Respekt kommen zum Ausdruck durch faire Arbeitsbedingungen und Löhne, durch Loyalität und Engagement. Sie gehen aber noch weit darüber hinaus. Wertschätzung meint auch das wohlwollende Anerkennen einer Person, Offensein und Toleranz für den anderen, Begegnung. Ihr liegt eine positive Haltung zugrunde. 
 
Führungskräfte, die nicht nur Leistungen bewerten, sondern persönliches Interesse an den einzelnen Mitgliedern ihres Teams haben, die aufmerksam bestrebt sind, den Einzelnen so zu fördern, dass er an seinem jeweiligen Platz das Beste hervorbringen kann, die ihren Mitmenschen freundlich begegnen, gern von Herzen danke sagen und Lob aussprechen und die bei Bedarf  konstruktiv nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen, haben mit diesen Qualitäten einen klaren Wettbewerbsvorteil in der Konkurrenz um Fachkräfte und Marktanteile: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich respektiert und wertgeschätzt fühlen, sind motivierter, fehlen weniger und wandern nicht so schnell ab.
 
Ein Betrieb, auf den Verlass ist, gewinnt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Personal, auf das Verlass ist. Wer zu seinen Mitarbeitern hält, dessen Mitarbeiter halten gewiss auch eher zu ihm, und der überzeugt dann auch viel eher Kunden, die zu ihm halten.
 
Wertschätzung ist also kein Schnickschnack! Zusammenhalt – im Kleinen wie im Großen – stärkt. Darauf sollten wir jetzt mehr denn je setzen!

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Integration

Helden, die Integration schaffen

Deutschland ist ein multikulturelles Einwanderungsland und das Handwerk baut Flüchtlingen Brücken in Ausbildung und Arbeit. Dafür ist das Handwerk prädestiniert. Die Ausbilder in Betrieben, in denen Geflüchtete und Zugewanderte ausgebildet werden, leisten täglich Großartiges – und sie gewinnen Berufsnachwuchs und sichern dadurch die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis von innerhalb Europas oder anderen Kontinenten auszubilden, erfordert zunächst einmal Toleranz gegenüber dem Anderssein, Verständnis für die Situation von Menschen aus der Fremde, ihre vergangenen Erlebnisse und vielleicht momentan besonderen familiären, wohnlichen und sozialen Lebensumstände, die nur einen eingeschränkten Freiraum für sich selbst zulassen – und vor allem braucht man ganz, ganz viel Geduld. Je nach Deutschkenntnissen müssen Dinge mit Ruhe oft mehrmals erklärt werden; in manchen Ländern ist Viertel nach Acht noch Pünktlichkeit. Bei Missverständnissen oder anderen Sitten und Gebräuchen sollte man gelasssen bleiben. Es ist zudem sehr wichtig, die Motivation der Auszubildenden zu stärken und auch einmal zu sagen: „Ich bin zufrieden“, selbst wenn die Leistung noch nicht perfekt ist. Anerkennung im Team und auch privat dazuzugehören, das sind unverzichtbare zwischenmenschliche Signale, die zeigen: „Willkommen bei uns im Handwerk!“
 
Viele Ausbilder helfen den Flüchtlingen auch beim Ausfüllen von Formularen, bei Behördengängen und der Wohnungssuche.
 
Menschen, die all das täglich in ihrem Beruf mit seinem Erfolgsdruck leise und unbemerkt von der Öffentlichkeit leisten, gebührt Dank und Anerkennung! Sie sind die Helden, die Integration schaffen. Auch das macht die Wirtschaftsgruppe Handwerk zu einer tragenden Gesellschaftsgruppe, deren Selbstverständnis es ist, zu helfen.
 
Wenn dann ein junger Mensch, der sich mit Unterstützung des Betriebs durch diese Herausforderungen gearbeitet hat, seinen Gesellenabschluss macht und damit eine Perspektive auf ein eigenständiges Leben hier oder woanders gewinnt, ist das ein Glücksmoment und Grund zu sehr großer Freude.
 
Betrieben, die Menschen mit Migrationshintergrund ausbilden, und ihren Lehrlingen steht ein Netzwerk an Unterstützung zur Verfügung. Ich möchte sie ermuntern, dieses zu nutzen. Der enge Draht zum Berufskolleg, Schulsprechtage, der Austausch mit den Lehrern und das Netzwerk von ausbildungsbegleitenden Hilfen und Sozialarbeitern sind wertvolle Partner. Die gegenseitige Unterstützung der Innungsbetriebe, die Flüchtlinge ausbilden, ist zudem ein erheblicher Faktor, der die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Ausbildung steigert. Auch die Handwerkskammer ist an der Seite der Betriebe, falls Probleme mit dem Bleiberecht oder in der Lehre auftauchen. Ausbildungsvermittler und -berater stehen den Betrieben zur Verfügung. Die Handwerkskammer setzt sich dafür ein, dass Steine aus dem Weg geräumt werden.
 
Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Dieselfahrverbot

Im Kopf beweglicher sein

Auch Handwerker brauchen natürlich reine Atemluft ohne gefährliche Feinstäube und Stickstoffoxide; Luftreinhaltung ist deshalb ebenso im Interesse aller Handwerker wie für jeden Menschen, das steht außer Diskussion und hat Priorität! Für ihren Beruf sind sehr viele Handwerker aber auch darauf angewiesen, ihre Innenstadtkunden in Nutzfahrzeugen mit Dieselmotoren zu erreichen, die wegen ihrer Emissionen für Luftverschmutzung mitverantwortlich sind.
Die Fahrzeuge im Handwerk werden zu rund 80 Prozent mit Diesel angetrieben, Nutzfahrzeuge sogar fast (noch) ausschließlich, darunter teure Spezialfahrzeuge mit nur geringer Kilometerleistung. Es ergibt wirtschaftlich und ökologisch keinen Sinn, Dieselfahrzeuge von heute auf morgen zu verschrotten.
 
Das auf dem Diesel-Gipfel vereinbarte kostenfreie Software-Update ist ein erster Schritt zum Verringern der Stickoxide, dem aber weitere Schritte folgen müssen. Ich bin erleichtert, dass kein generelles Fahrverbot zu Lasten der Verbraucher ausgesprochen wurde, glücklich sein kann ich über das Schmalspurergebnis jedoch nicht: Wie schnell und reibungslos das Update umgesetzt werden kann und ob es nachteilige Effekte auf Verbrauch und Lebensdauer des Motors hat, ist nicht bekannt. Bleibt zu hoffen, dass dadurch die Grenzwerte zur Luftreinhaltung eingehalten werden und somit nicht länger Gerichtsurteile drohen, die Betriebsexistenzen gefährden.
 
Die Hersteller stehen weiter in der Pflicht!
Der Schadstoffausstoß muss dauerhaft gesenkt werden – und zwar in der Realität und nicht nur auf dem Papier. Kurz- und mittelfristig gibt es oft kaum Alternativen zum Diesel, auch aus Gründen des Klimaschutzes. Der Gasantrieb bietet noch Potenzial. Elektro, Wasserstoff und auch dem Lastenrad gehört die Zukunft.
 
Es ist im Gespräch, langfristig Verbrennungsmotoren ganz zu verbieten. Das brächte gewaltige Herausforderungen mit sich. Benötigt würde ein immenser Ausbau unserer Stromversorgung – idealerweise auf regenerativer Basis –, um Millionen von Batteriefahrzeugen zu laden. Noch entwickelt werden müssen Technologien für die Herstellung und das Recyceln von Batterien und Brennstoffzellen in hohen Stückzahlen. Für die Brennstoffzellenantriebe müsste ein dichtes Netz von Wasserstofftankstellen mit Grünem Wasserstoff errichtet werden. Wir brauchen auch mehr praxistaugliche Elektro-Nutzfahrzeugmodelle, die den Anforderungen unserer Betriebe gerecht werden.
 
Wer schon jetzt auf E-Mobile umstellt, kann als „innovativer Betrieb“ ein positives Image gewinnen und die Vorteile des Elektromobilitätsgesetzes genießen. Ist das Elektromobil erst normales Beförderungsmittel, wird es solche Anreize nicht mehr geben. 
 
Ich denke, bei diesem Zukunftsprojekt müssen alle beweglicher im Kopf werden, um dauerhaft gesund in Bewegung zu sein – Autohersteller, Politik, Unternehmen und jeder Einzelne. Das Handwerk ist dabei Partner.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Gründer und junge Unternehmer stärken

Handwerksunternehmer mit Meistertitel schaffen Arbeitsplätze

Durchschnittlich schafft jeder Meister, der sich im Handwerk selbstständig macht und die Meistergründungsprämie erhält, innerhalb von drei Jahren beachtliche vier Arbeitsplätze. Diese großartige Leistung beweist: Die Prämie, die das Land NRW auszahlt, ist ein erfolgreiches Instrument der Gründungsförderung. Die Ergebnisse zeigen auch, wie sehr Handwerksunternehmer mit Meistertitel den regionalen Arbeitsmarkt stärken.
Jetzt ist eine gute Zeit für Gründerinnen und Gründer im Handwerk. Die stabile Konjunktur, ausgelastete Kapazitäten und niedrige Zinsen ergeben ein günstiges Umfeld mit optimistischen Perspektiven.
 
Gründungswillige sollten jedoch nicht übereilt ins kalte Wasser springen: Gründliche Planung, solide Finanzierung und die berufsspezifische und kaufmännische Qualifizierung sind die besten Voraussetzungen einer bravourösen Unternehmensgründung in allen Berufen des Handwerks. Meisterschule ist Unternehmerschule. Darüber hinaus vermitteln kaufmännische Fortbildungen, an oberster Stelle der Geprüfte Betriebswirt HwO, vertiefte Kenntnisse zur Unternehmensführung.
 
Die Handwerkskammer setzt sich für gute Rahmenbedingungen ein. Die Politik muss Gründer und Jungunternehmer stärken, damit wir genug Unternehmernachwuchs bekommen. Etwa ein Drittel aller Inhaber von etablierten Betrieben muss daran denken, die Nachfolgefrage zu klären. Ihre Arbeitsplätze lassen sich nur mit übernahmebereiten Jüngeren retten, wenn der Senior sich altersbedingt zur Ruhe setzt. Den Nachfolgern darf man es deshalb nicht unnötig schwer machen!
 
Ansetzen kann die Politik etwa bei der Bürokratie. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass die Fülle der Regulierungen kaum noch durchschaubar und teilweise auch widersprüchlich ist. Das ist für alle Unternehmen, besonders aber für Gründer, Ballast.
 
Die Startercenter der HWK in Münster und Gelsenkirchen laden alle Gründungsinteressenten zu kostenlosen Informationsveranstaltungen ein, helfen bei der Erstellung des Businessplans, beraten individuell und bieten Sprechtage zu Finanzierung und Steuern an. Ein häufiger Tipp zur Risikominimierung in der Anfangsphase ist dann, dass auch junge Unternehmen ihre Auftraggeber sorgfältig aussuchen sollten, damit sie nicht in Abhängigkeit geraten oder vorschnell unrentable Aufträge annehmen.
 
Unsere Unternehmensberater stehen Gründern und Betriebsinhabern in jeder Phase der Lebensdauer eines Handwerksunternehmens zur Seite – auch wenn der Unternehmer sein Lebenswerk in die Hände der nachfolgenden Generation legen will und dafür einen gründungswilligen Übernehmer sucht. Zur Meistergründungsprämie beraten wir ebenfalls.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Eintreten für Respekt und Demokratie

Für ein friedliches Miteinander der Kulturen

In der vergangenen Woche hat der Vorstand der Handwerkskammer Münster auch über die schrecklichen Ereignisse in Chemnitz gesprochen und eine Erklärung für ein für friedliches Miteinander der Kulturen abgegeben.
Dass ein junger Mann durch einen Messerangriff getötet wurde, ist ein schreckliches Verbrechen. Tatverdächtigt werden Geflüchtete aus dem Irak und Syrien. Die nachfolgende Masseneskalation von Aggressionen gegen Menschen aus anderen Ländern und Kulturen auf offenen Straßen bis hin zu Verfolgung Unschuldiger, tagelangen Ausschreitungen, Hitlergrüßen und anderen nationalsozialistischen Symbolen, rassistischer Polemik sowie Angriffen auf Journalisten und Demokratieverachtung haben bei mir große Sorge und tiefe Bestürzung ausgelöst.

Das Gedankengut, das von Rechtsradikalen und „Wutbürgern“ herausgeschrien wurde, findet sich offensichtlich nicht nur in der sächsischen Stadt, sondern bekam Unterstützung aus weiten Teilen des Landes. In Sozialen Medien tobt ein Mob in menschenverachtender Weise in Wort und Bild.
Ich will dies nicht sprachlos hinnehmen, sondern mich mehr denn je für eine menschenwürdige Gesellschaft und gegenseitigen Respekt einsetzen: erstens aus persönlicher Haltung und zweitens als Präsident der Handwerkskammer Münster.

12 Prozent von 29.060 Handwerksbetrieben im Kammerbezirk Münster haben Ausländer in der Geschäftsleitung. In 2 Prozent der Betriebe bilden Ausländer Lehrlinge aus. Jeder siebte Auszubildende im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region bringt einen Migrationshintergrund mit. Ihnen rufe ich zu: Sie sind willkommen! Das Handwerk braucht Sie! Wir wertschätzen Sie!

Angesichts des ungedeckten Fachkräftebedarfs im Handwerk begrüße ich die Überlegungen der Bundesregierung, eine geregelte Zuwanderung von ausländischen Fachkräften auf den Weg zu bringen. Das ist eine große Chance, um der demografiebedingten Überalterung der Bevölkerung entgegenzuwirken – eine unserer größten Herausforderungen.

Geflüchteten Menschen baut das Handwerk Brücken in Ausbildung und Beschäftigung. Voraussetzung sind Kenntnisse der deutschen Sprache, im Rechnen, Lesen, Schreiben. Dann sind zahlreiche Betriebe offen und übernehmen Verantwortung. Beiden Seiten wäre geholfen, wenn Geflüchtete, die gut integriert sind und einen Ausbildungs- oder Arbeitsvertrag haben, mit Sicherheit bleiben dürfen.

Im Zentrum unseres Rechtsstaates steht Artikel 1 Grundgesetz: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“ Das gilt für jeden Menschen, ganz gleich, wo er herkommt, wie er aussieht, woran er glaubt, was er kann! Es tut gut zu sehen, wie Viele dieser Tage für eine tolerante Gesellschaft eintreten. Ich bitte Sie: Positionieren Sie sich auch weiterhin gegen Rassismus und Diskriminierung im Alltag, in ihrem Betrieb, im Kollegen-, Kunden-, Freundes- und Familienkreis! Der Slogan #wirsindmehr sagt alles.

Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster