Hauptgeschäftsführer Herr Dr Thomas Ostendorf und Präsident Hans Hund
An dieser Stelle erhalten Sie eine Übersicht von Statements unseres Kammerpräsidenten Hans Hund zu aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen. Im Vordergrund stehen dabei natürlich die Interessen das Handwerks und unserer über 28.000 Betriebe sowie der mehr als 191.000 Beschäftigten im Münsterland und der Emscher-Lippe-Region.

Ehrenamt im Handwerk

Drei Fragen an HWK-Präsident Hans Hund

Das Ehrenamt ist für das Handwerk unerlässlich. Zur Selbstverwaltung übernehmen Handwerker im Kammerbezirk Münster mehr als 4.000 Ehrenämter. Bei der Handwerkskammer erfüllen 690 Ehrenamtsträger ihre Aufgaben in Wirtschaft, Staat und Gesellschaft in partnerschaftlicher Zusammenarbeit mit den angestellten Mitarbeitern.
 
Was ist Ihr Motor für das Ehrenamt im Handwerk?
Hans Hund: Mir macht es großen Spaß, gemeinsam mit zahlreichen Akteuren, Dinge zu gestalten, die mir für das Handwerk und die Gesellschaft wichtig sind. Dabei habe ich viele Menschen kennengelernt, und nicht wenige sind dann zu Freunden geworden.
 
Wie vereinen Sie Familie, Beruf, Freizeit und Ehrenamt?
Hans Hund: In der Tat ist das schon mal ein Thema. Beruflich war es mir immer wichtig, den zeitlichen Aufwand in meinen Ehrenämtern im Betrieb, nach Feierabend, aber vor allem am Wochenende auszugleichen, sodass an der Stelle möglichst keine Defizite auftraten. Was meine Familie angeht: Da müssen Sie schon meine Frau fragen, für sie hatte ich gelegentlich schon etwas wenig Zeit. Aber wie Sie sehen, hat die Ehe jetzt schon 43 Jahre gehalten. 
 
Welchen Tipp würden Sie jungen Handwerkern geben, die überlegen sich im Ehrenamt zu engagieren?
Hans Hund: Nun, ich glaube es gibt keine Patentrezepte, da muss jeder seinen eigenen Weg gehen. Ich kann nur sagen, man muss sicherlich Einiges an Zeit investieren, aber man bekommt dafür eine Menge zurück.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Umfrage zur Digitalisierung

Digital nicht ausklinken

Jede Münze hat zwei Seiten. Jedes Umfrageergebnis auch. Planen Sie in den kommenden zwölf Monaten Digitalisierungsmaßnahmen? Das war unsere Frage an Handwerksbetriebe. „Ja“ antworteten immerhin 38 Prozent, das ist erfreulich. „Nein“ sagte jedoch die große Mehrheit – 59 Prozent, das ist ernüchternd.
Digitale Maßnahmen betreffen Geschäftsabläufe, Technologien und Produktionsprozesse, die Entwicklung neuer Geschäftsfelder, die Erschließung neuer Kundenkreise, den Datenschutz und die Cyber-Sicherheit. Ich fürchte, dass Betriebe, die sich aus der Digitalisierung ausklinken, den Anschluss verpassen könnten – denn zwei Jahre sind gerade auf diesem Gebiet eine lange Zeit. Nehmen wir das sensible Feld der Datensicherheit. Probleme durch Nachlässigkeit kommen hier oft schleichend, können aber, wenn die Lücken zu groß geworden sind, existenzbedrohend sein.

Es lohnt sich deshalb, auch in Zeiten, in denen Kunden Schlange stehen, dem Rückstand vorzubeugen und in Datensicherheit, Datenschutz,  Know-how und Technik zu investieren. Die Handwerkskammer und die Kreishandwerkerschaft unterstützen Betriebe dabei durch Beratung und Bildung.

Auch das Engagement in die Digitalisierung ist wie die Münze mit zwei Seiten: Man muss Zeit, Energie und Geld hineinstecken, das ist lästig, aber am Ende hat man vielleicht mehr Zeit und Energie für Wichtigeres zur Verfügung, und das zahlt sich aus. Es ist an der Zeit! Denn wer nicht mit der Zeit geht, der geht mit der Zeit!

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Katholikentag ist ein Gewinn

Im Handwerk wird die christliche Soziallehre täglich gelebt.

Der Katholikentag vom 9. bis 13. Mai in Münster ist ein Gewinn für die Stadt und darüber hinaus für das gesamte Bistum, weil er Anlass ist sich klarzumachen, dass in vielen kleinen und mittleren Unternehmen des Handwerks die christliche Soziallehre täglich gelebt wird.
In den Betrieben der Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe Handwerk sind Arbeitgeber und Arbeitnehmer, Alt und Jung und Menschen unterschiedlicher Herkunft und mit verschiedenen Glaubensbekenntnissen traditionell friedlich miteinander tätig. Über Adolf Kolping - das Kolpingwerk und die Kolpingsfamilien - gibt es eine gewachsene Verbindung zwischen Kirche und Handwerk.
 
Die Handwerkskammer Münster nutzt auch als nichtreligiöse Institution sehr gern die Möglichkeit, als Mitwirkende am Katholikentag gesellschaftliche und politische Standpunkte zu diskutieren. Das Großereignis bietet die gute Gelegenheit, in zwei Podien Themen zu beleuchten, die uns zunehmend umtreiben: die Zukunft des Arbeitens in ländlichen Räumen (wider die Landflucht) und die Chance der Gestaltung von Arbeitsplätzen durch Digitalisierung (Wirtschaft 4.0). Willkommen sind dazu bekennende Christen, Gläubige anderer Religionen sowie alle, die Neugier und Interesse am christlichen Glauben und an kirchlicher Arbeit haben.
 
Das Handwerk unserer Region ist traditionell offen und bietet Menschen verschiedener Kulturkreise und Religionsgemeinschaften beziehungsweise Überzeugungen eine Heimat. Die Betriebe im Kammerbezirk integrieren allein Auszubildende aus insgesamt 87 Nationen. Das geht nur mit dem Willen zu Toleranz, Gemeinsamkeit und Frieden - Werten also, die sich in allen großen Religionen finden lassen. Die Suche nach innerem und äußerem Frieden drängt in unserer Zeit. Deshalb begrüße ich den Katholikentag in Münster.
 
Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Gründer und junge Unternehmer stärken

Handwerksunternehmer mit Meistertitel schaffen Arbeitsplätze

Durchschnittlich schafft jeder Meister, der sich im Handwerk selbstständig macht und die Meistergründungsprämie erhält, innerhalb von drei Jahren beachtliche vier Arbeitsplätze. Diese großartige Leistung beweist: Die Prämie, die das Land NRW auszahlt, ist ein erfolgreiches Instrument der Gründungsförderung. Die Ergebnisse zeigen auch, wie sehr Handwerksunternehmer mit Meistertitel den regionalen Arbeitsmarkt stärken.
Jetzt ist eine gute Zeit für Gründerinnen und Gründer im Handwerk. Die stabile Konjunktur, ausgelastete Kapazitäten und niedrige Zinsen ergeben ein günstiges Umfeld mit optimistischen Perspektiven.
 
Gründungswillige sollten jedoch nicht übereilt ins kalte Wasser springen: Gründliche Planung, solide Finanzierung und die berufsspezifische und kaufmännische Qualifizierung sind die besten Voraussetzungen einer bravourösen Unternehmensgründung in allen Berufen des Handwerks. Meisterschule ist Unternehmerschule. Darüber hinaus vermitteln kaufmännische Fortbildungen, an oberster Stelle der Geprüfte Betriebswirt HwO, vertiefte Kenntnisse zur Unternehmensführung.
 
Die Handwerkskammer setzt sich für gute Rahmenbedingungen ein. Die Politik muss Gründer und Jungunternehmer stärken, damit wir genug Unternehmernachwuchs bekommen. Etwa ein Drittel aller Inhaber von etablierten Betrieben muss daran denken, die Nachfolgefrage zu klären. Ihre Arbeitsplätze lassen sich nur mit übernahmebereiten Jüngeren retten, wenn der Senior sich altersbedingt zur Ruhe setzt. Den Nachfolgern darf man es deshalb nicht unnötig schwer machen!
 
Ansetzen kann die Politik etwa bei der Bürokratie. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass die Fülle der Regulierungen kaum noch durchschaubar und teilweise auch widersprüchlich ist. Das ist für alle Unternehmen, besonders aber für Gründer, Ballast.
 
Die Startercenter der HWK in Münster und Gelsenkirchen laden alle Gründungsinteressenten zu kostenlosen Informationsveranstaltungen ein, helfen bei der Erstellung des Businessplans, beraten individuell und bieten Sprechtage zu Finanzierung und Steuern an. Ein häufiger Tipp zur Risikominimierung in der Anfangsphase ist dann, dass auch junge Unternehmen ihre Auftraggeber sorgfältig aussuchen sollten, damit sie nicht in Abhängigkeit geraten oder vorschnell unrentable Aufträge annehmen.
 
Unsere Unternehmensberater stehen Gründern und Betriebsinhabern in jeder Phase der Lebensdauer eines Handwerksunternehmens zur Seite – auch wenn der Unternehmer sein Lebenswerk in die Hände der nachfolgenden Generation legen will und dafür einen gründungswilligen Übernehmer sucht. Zur Meistergründungsprämie beraten wir ebenfalls.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Fachkräftemangel vorbeugen

Personal ist existenzielle Aufgabe

Vier von 2.453 Handwerksbetrieben, die im vergangenen Jahr geschlossen haben, gaben bei der Handwerkskammer Münster als Grund Arbeitskräftemangel an. (Möglicherweise waren es noch mehr, die aber nur „Sonstige Gründe“ nannten.) Vier sind wenig – 0,01 Prozent –, aber sie sind Warnungen, was passieren kann, wenn ein Unternehmen kein passendes Personal findet.
Das Risiko steigt, je näher die Welle der heute 50-Jährigen Babyboomer heranrollt, die sich aus dem Berufsleben verabschieden. Bis 2031 werden sie in Rente gehen, gefolgt von weiteren sehr geburtenstarken Jahrgängen. Ein weiterer Aspekt der Alterspyramide ist umwälzend: 2015 bis 2016 schlossen in NRW 54.727 Jugendliche und junge Erwachsene eine allgemeinbildende Schule ab. Das waren 5.843 – rund zehn Prozent – weniger als zehn Jahre zuvor. Die Entwicklung setzt sich fort. Damit einher geht ein immer stärkeres Buhlen um den Berufsnachwuchs, in manchen Branchen und Bildungszweigen mehr, in anderen weniger, aber alle sind betroffen.

Der Wandel rüttelt Personalverantwortliche in Unternehmen auf. Auch bei der Handwerkskammer rückt die Fachkräfte-Initiative vehement ins Zentrum der Aktivitäten. Die sich zuspitzenden Veränderungen sollten nicht bange machen, sondern als existenzielle Zukunftsaufgabe verstanden werden, die mit Elan gemeistert werden will: Das Handwerk braucht Berufsnachwuchs, Fachkräfte und Talente – und es hat die große Chance, die Jugend von seinen Karriereoptionen zu überzeugen. Das spiegeln die steigenden Ausbildungszahlen der letzten Jahre wider, darunter auch ein wachsender Anteil Abiturienten.

Darüber hinaus geht es darum, alle Register zu ziehen: bisher eher Benachteiligte auf dem Arbeitsmarkt anzusprechen, berufliche Kompetenzen durch Weiterbildung ständig zu entwickeln, Beruf und Familie besser zu vereinen, die Motivation der Beschäftigten zu erhöhen, Gesundheit und Arbeitszufriedenheit zu fördern, Anreize zu geben. Auch die Digitalisierung kann bei der Bewältigung von Arbeitsprozessen helfen.

Neue Ansätze, innovative Impulse, Lernen von erfolgreichen Beispielen, bewährte Tipps aus der Praxis, all das steht im Fokus des zweiten Großen Personaltags der Handwerkskammer am 14. März. Dazu sind alle Handwerksbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region eingeladen. Wir freuen uns über Ihr Interesse an einer gewiss spannenden Veranstaltung mit Information und Austausch – damit es möglichst keine Betriebe gibt, die wegen Personalmangel schließen müssen.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Entwicklung von Werten

In der Entwicklungszusammenarbeit fachlich und persönlich über sich hinauswachsen

Rund 30 junge Handwerkerinnen und Handwerker aus dem Kammerbezirk Münster haben in den vergangenen zwei Jahren die Chance wahrgenommen: Sie wagten den Schritt nach Afrika und Asien, um in einem geförderten Projekt der Entwicklungszusammenarbeit fachlich und persönlich über sich hinauszuwachsen – sie haben „Kopf und Herz geweitet“, wie viele Rückkehrer berichteten
Am beeindruckendsten war für die meisten Junghandwerker aus Deutschland die Bescheidenheit von Menschen in Nepal, Ghana und anderswo, die, auch wenn sie in Armut leben, Zufriedenheit ausstrahlen. Bei der partnerschaftlichen Errichtung von Gebäuden mit  Einheimischen verschiebt sich oftmals das eigene Wertegefüge hin zu mehr Verständnis und Menschlichkeit. Man lernt fernab vom europäischen Zuhause das Wesentliche noch einmal anders zu schätzen.
 
Darüber hinaus sehen wir bei der Handwerkskammer regelmäßig (die HWK unterstützt die Organisation eines solchen Vorhabens), dass die jungen Menschen nach ihrer Heimkehr von mehrwöchigen Einsätzen flexibler im Denken und Handeln geworden sind. Sie wissen jetzt mehr denn je, dass Ziele erreichbar sind, vielleicht auch auf anderen Wegen als den vertrauten. Dieses Selbstbewusstsein ist höchst kostbar für den eigenen Lebens- und Berufsweg.
 
In interdisziplinären Teams der Entwicklungszusammenarbeit erfahren die Teilnehmer, dass sie bei diesen Einsätzen sehr begehrte Kräfte sind. Handwerkern kommt ein hoher Stellenwert im Entwicklungsdienst zu. Oft arbeiten sie Hand in Hand mit Studierenden zusammen. Da zählt dann allein das Projekt, Unterschiede zwischen Bildungsgängen verwischen. Insofern tragen solche Einsätze auch zur Gleichwertigkeit von beruflicher und allgemeiner Bildung bei. Nicht zuletzt zeigen sie, dass Handwerker mehr als Humankapital sind, sondern eine Wirtschaftsgruppe, die Verantwortung übernimmt: vor Ort, in der Region, im Heimatland und sogar weltweit.
 
Von den jungen Handwerkern, die ihren Horizont in einem Entwicklungsprojekt ausdehnen konnten, profitieren auch Betriebe: Der Fach- und eventuell Führungskräftenachwuchs kommt mit höheren sozialen und handwerklichen Kompetenzen zurück. Das ist eine Bereicherung für  den Umgang mit neuen Problemstellungen, dem Kollegenkreis und Kundenstamm. Es ist gut und  richtig, dass die Zusatzqualifikation „Junges Handwerk in der Entwicklungszusammenarbeit“ diese Kompetenzen für die berufliche Vita bescheinigt.
 
Ich möchte noch mehr Handwerker auf diese Chance aufmerksam machen und Betriebe dafür gewinnen, Auszubildende und junge Fachkräfte zur Teilnahme an den spannenden Projekten zu ermuntern und zu begeistern, auch wenn sie dann einige Wochen bei der Arbeit hier fehlen. Das Engagement lohnt sich in vielerlei Hinsicht für beide auf Dauer.
 
Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster
 

Gesellschaftlicher Zusammenhalt

Wertschätzung ist kein Schnickschnack

In unserer Zeitenwende, in der sich Althergebrachtes immer schneller auflöst, um Neuem Platz zu machen, in der Unruhe und politische Umwälzungen zunehmen, gewinnt  Zusammenhalt immer mehr an Bedeutung. Es geht um gesellschaftlichen und sozialen Zusammenhalt. Das lohnt sich!
Handwerk zeichnet sich mit seiner Vielzahl kleiner und mittlerer Unternehmen traditionell durch starken Zusammenhalt aus. Man weiß: Der Erfolg des Arbeitgebers hängt vom Erfolg der Beschäftigten ab, und der Erfolg des Arbeitnehmers vom Unternehmenserfolg.
 
Gegenseitige Wertschätzung und Respekt kommen zum Ausdruck durch faire Arbeitsbedingungen und Löhne, durch Loyalität und Engagement. Sie gehen aber noch weit darüber hinaus. Wertschätzung meint auch das wohlwollende Anerkennen einer Person, Offensein und Toleranz für den anderen, Begegnung. Ihr liegt eine positive Haltung zugrunde. 
 
Führungskräfte, die nicht nur Leistungen bewerten, sondern persönliches Interesse an den einzelnen Mitgliedern ihres Teams haben, die aufmerksam bestrebt sind, den Einzelnen so zu fördern, dass er an seinem jeweiligen Platz das Beste hervorbringen kann, die ihren Mitmenschen freundlich begegnen, gern von Herzen danke sagen und Lob aussprechen und die bei Bedarf  konstruktiv nach Verbesserungsmöglichkeiten suchen, haben mit diesen Qualitäten einen klaren Wettbewerbsvorteil in der Konkurrenz um Fachkräfte und Marktanteile: Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die sich respektiert und wertgeschätzt fühlen, sind motivierter, fehlen weniger und wandern nicht so schnell ab.
 
Ein Betrieb, auf den Verlass ist, gewinnt mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Personal, auf das Verlass ist. Wer zu seinen Mitarbeitern hält, dessen Mitarbeiter halten gewiss auch eher zu ihm, und der überzeugt dann auch viel eher Kunden, die zu ihm halten.
 
Wertschätzung ist also kein Schnickschnack! Zusammenhalt – im Kleinen wie im Großen – stärkt. Darauf sollten wir jetzt mehr denn je setzen!

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Bundestagswahl 2017

Beherzt und mit Mut Politik machen

Einen beherzten und mutigen Willen zur Regierungsbildung und dann eine tatkräftige, zukunftsorientierte Politik in Berlin, die den Mittelstand in den Fokus nimmt – das wünsche ich mir als Bürger, als Handwerker und als Ehrenamtsträger. Als Präsident der Handwerkskammer Münster bin ich zu politischer Neutralität verpflichtet. Meine Aufgabe ist zugleich die Vertretung der Interessen des gesamten Handwerks im Kammerbezirk.
Natürlich haben auch die Betriebe und Beschäftigten im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region ein brennendes Interesse an einer schnellen Regierungsfähigkeit. Wochen- oder gar monatelange Koalitionsverhandlungen bedeuteten Stillstand und Ungewissheit in der Steuer-, Wirtschafts-, Energie- und Umweltpolitik und auf vielen anderen Feldern. Das können wir uns nicht erlauben.
 
Unter dem Motto „Zusammenhalten – Zukunft gestalten“ hat der Zentralverband des Deutschen Handwerks die Erwartungen der gesamten Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe im Vorfeld der Bundestagswahl formuliert. Einer der wichtigsten Punkte, der auch nach der Wahl gleichermaßen hervorgehoben werden kann, lautet für mich: „gesellschaftlicher Zusammenhalt in Deutschland, Europa und der Welt.“ 
 
Das Handwerk braucht keine Sonntagsreden. Wir schätzen Taten. In einer Zeit großer Umwälzungen und rasanter Veränderungen brauchen wir den politischen Willen zur Problemlösung und einen starken Modernisierungsschub. Das hat Priorität, und nicht eventuelle taktische Manöver mit Blick auf die nächsten Wahlen. Deshalb appelliere ich an die Handelnden in den Koalitionsgesprächen: Findet schnell zusammen! Und ich freue mich auf eine starke Opposition, die den Bundestag mit konstruktiver Arbeit belebt, die nicht lähmt, sondern uns voranbringt, national und in unserer internationalen Zusammenarbeit.
 
Konkret erhoffe ich mir von der künftigen Bundesregierung, dass sie das Handwerk weiter stärkt und für Verlässlichkeit im Wandel sorgt. Unsere Erwartungen drehen sich um eine engagierte Politik für Wachstum, Innovation, Digitalisierung – Stichwort Breitbandausbau – und Infrastruktur, für handwerks- und gründerfreundliche Rahmenbedingungen.
 
Die duale Ausbildung muss ausgebaut werden und, und das ist mir hinsichtlich weiterer Liberalisierungstendenzen ganz wichtig: Der Meisterbriefs darf nicht angetastet, sondern muss, ganz im Gegenteil, in Europa gestärkt werden. Auch das Sichern der Gleichwertigkeit und Durchlässigkeit von beruflicher und akademischer Bildung liegt dem Handwerk weiterhin besonders am Herzen.
 
Deshalb bietet das Handwerk allen politischen Kräften, die unser Land auf der Erfolgsspur halten und die Herausforderungen unserer Zeit des Wandels und großer Veränderungen annehmen wollen, eine enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit an. Dazu ist die Handwerkskammer regelmäßig mit Abgeordneten aus der Region im direkten Gespräch. 

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Integration

Helden, die Integration schaffen

Deutschland ist ein multikulturelles Einwanderungsland und das Handwerk baut Flüchtlingen Brücken in Ausbildung und Arbeit. Dafür ist das Handwerk prädestiniert. Die Ausbilder in Betrieben, in denen Geflüchtete und Zugewanderte ausgebildet werden, leisten täglich Großartiges – und sie gewinnen Berufsnachwuchs und sichern dadurch die Zukunftsfähigkeit des Unternehmens.
Einen Menschen aus einem anderen Kulturkreis von innerhalb Europas oder anderen Kontinenten auszubilden, erfordert zunächst einmal Toleranz gegenüber dem Anderssein, Verständnis für die Situation von Menschen aus der Fremde, ihre vergangenen Erlebnisse und vielleicht momentan besonderen familiären, wohnlichen und sozialen Lebensumstände, die nur einen eingeschränkten Freiraum für sich selbst zulassen – und vor allem braucht man ganz, ganz viel Geduld. Je nach Deutschkenntnissen müssen Dinge mit Ruhe oft mehrmals erklärt werden; in manchen Ländern ist Viertel nach Acht noch Pünktlichkeit. Bei Missverständnissen oder anderen Sitten und Gebräuchen sollte man gelasssen bleiben. Es ist zudem sehr wichtig, die Motivation der Auszubildenden zu stärken und auch einmal zu sagen: „Ich bin zufrieden“, selbst wenn die Leistung noch nicht perfekt ist. Anerkennung im Team und auch privat dazuzugehören, das sind unverzichtbare zwischenmenschliche Signale, die zeigen: „Willkommen bei uns im Handwerk!“
 
Viele Ausbilder helfen den Flüchtlingen auch beim Ausfüllen von Formularen, bei Behördengängen und der Wohnungssuche.
 
Menschen, die all das täglich in ihrem Beruf mit seinem Erfolgsdruck leise und unbemerkt von der Öffentlichkeit leisten, gebührt Dank und Anerkennung! Sie sind die Helden, die Integration schaffen. Auch das macht die Wirtschaftsgruppe Handwerk zu einer tragenden Gesellschaftsgruppe, deren Selbstverständnis es ist, zu helfen.
 
Wenn dann ein junger Mensch, der sich mit Unterstützung des Betriebs durch diese Herausforderungen gearbeitet hat, seinen Gesellenabschluss macht und damit eine Perspektive auf ein eigenständiges Leben hier oder woanders gewinnt, ist das ein Glücksmoment und Grund zu sehr großer Freude.
 
Betrieben, die Menschen mit Migrationshintergrund ausbilden, und ihren Lehrlingen steht ein Netzwerk an Unterstützung zur Verfügung. Ich möchte sie ermuntern, dieses zu nutzen. Der enge Draht zum Berufskolleg, Schulsprechtage, der Austausch mit den Lehrern und das Netzwerk von ausbildungsbegleitenden Hilfen und Sozialarbeitern sind wertvolle Partner. Die gegenseitige Unterstützung der Innungsbetriebe, die Flüchtlinge ausbilden, ist zudem ein erheblicher Faktor, der die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Ausbildung steigert. Auch die Handwerkskammer ist an der Seite der Betriebe, falls Probleme mit dem Bleiberecht oder in der Lehre auftauchen. Ausbildungsvermittler und -berater stehen den Betrieben zur Verfügung. Die Handwerkskammer setzt sich dafür ein, dass Steine aus dem Weg geräumt werden.
 
Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster

Dieselfahrverbot

Im Kopf beweglicher sein

Auch Handwerker brauchen natürlich reine Atemluft ohne gefährliche Feinstäube und Stickstoffoxide; Luftreinhaltung ist deshalb ebenso im Interesse aller Handwerker wie für jeden Menschen, das steht außer Diskussion und hat Priorität! Für ihren Beruf sind sehr viele Handwerker aber auch darauf angewiesen, ihre Innenstadtkunden in Nutzfahrzeugen mit Dieselmotoren zu erreichen, die wegen ihrer Emissionen für Luftverschmutzung mitverantwortlich sind.
Die Fahrzeuge im Handwerk werden zu rund 80 Prozent mit Diesel angetrieben, Nutzfahrzeuge sogar fast (noch) ausschließlich, darunter teure Spezialfahrzeuge mit nur geringer Kilometerleistung. Es ergibt wirtschaftlich und ökologisch keinen Sinn, Dieselfahrzeuge von heute auf morgen zu verschrotten.
 
Das auf dem Diesel-Gipfel vereinbarte kostenfreie Software-Update ist ein erster Schritt zum Verringern der Stickoxide, dem aber weitere Schritte folgen müssen. Ich bin erleichtert, dass kein generelles Fahrverbot zu Lasten der Verbraucher ausgesprochen wurde, glücklich sein kann ich über das Schmalspurergebnis jedoch nicht: Wie schnell und reibungslos das Update umgesetzt werden kann und ob es nachteilige Effekte auf Verbrauch und Lebensdauer des Motors hat, ist nicht bekannt. Bleibt zu hoffen, dass dadurch die Grenzwerte zur Luftreinhaltung eingehalten werden und somit nicht länger Gerichtsurteile drohen, die Betriebsexistenzen gefährden.
 
Die Hersteller stehen weiter in der Pflicht!
Der Schadstoffausstoß muss dauerhaft gesenkt werden – und zwar in der Realität und nicht nur auf dem Papier. Kurz- und mittelfristig gibt es oft kaum Alternativen zum Diesel, auch aus Gründen des Klimaschutzes. Der Gasantrieb bietet noch Potenzial. Elektro, Wasserstoff und auch dem Lastenrad gehört die Zukunft.
 
Es ist im Gespräch, langfristig Verbrennungsmotoren ganz zu verbieten. Das brächte gewaltige Herausforderungen mit sich. Benötigt würde ein immenser Ausbau unserer Stromversorgung – idealerweise auf regenerativer Basis –, um Millionen von Batteriefahrzeugen zu laden. Noch entwickelt werden müssen Technologien für die Herstellung und das Recyceln von Batterien und Brennstoffzellen in hohen Stückzahlen. Für die Brennstoffzellenantriebe müsste ein dichtes Netz von Wasserstofftankstellen mit Grünem Wasserstoff errichtet werden. Wir brauchen auch mehr praxistaugliche Elektro-Nutzfahrzeugmodelle, die den Anforderungen unserer Betriebe gerecht werden.
 
Wer schon jetzt auf E-Mobile umstellt, kann als „innovativer Betrieb“ ein positives Image gewinnen und die Vorteile des Elektromobilitätsgesetzes genießen. Ist das Elektromobil erst normales Beförderungsmittel, wird es solche Anreize nicht mehr geben. 
 
Ich denke, bei diesem Zukunftsprojekt müssen alle beweglicher im Kopf werden, um dauerhaft gesund in Bewegung zu sein – Autohersteller, Politik, Unternehmen und jeder Einzelne. Das Handwerk ist dabei Partner.

Ihr
Hans Hund
Präsident der Handwerkskammer Münster