Weniger Bürokratie für Handwerksbetriebe


08. Juni 2018 | Kammer fragt Unternehmen nach Vorschlägen
„Das Handwerk braucht weniger Bürokratie!“ Eine Politik, die durch konsequente Entrümpelung überflüssiger Pflichten wieder Lust auf Unternehmertum mache und Freiräume schaffe, forderte Hans Hund in einem Pressegespräch am Freitag (8. Juni).  Der Präsident der Handwerkskammer (HWK) Münster bemängelte, dass bürokratische Hemmnisse durch Gebühren, Dokumentationspflichten, lange Genehmigungsverfahren und hohe Investitionsauflagen zu lähmenden Wettbewerbsnachteilen für kleine und mittlere Unternehmen gegenüber größeren Anbietern führten. Kompliziertheit, Unüberschaubarkeit, Unverständlichkeit und Verzögerungen trügen darüber hinaus zur Staatsverdrossenheit bei.
 
Die Handwerkskammer sammelt Vorschläge für den Bürokratieabbau, um sie in politische Positionen der Handwerksorganisation einzubringen. Dafür sind die Betriebe im Kammerbezirk gefragt: „Wir wollen von ihnen wissen, wo der Schuh durch Bürokratie drückt. Wer Vorschläge und Tipps zur Vereinfachung oder Beschleunigung von Verfahren und Formularen hat, kann Kontakt zu uns aufnehmen“, erklärte Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz. Alle Anregungen werden bei Eignung in die Liste der Bürokratieabbau-Ideen für Gespräche der Handwerksorganisation mit Bund und Land aufgenommen. „So können die Hinweise aus der Praxis Beiträge sein, die Last für alle Handwerksbetriebe im Kammerbezirk zu mindern“, so Banasiewicz
 
Bund und Land haben aus Sicht der HWK bereits Schritte in die richtige Richtung unternommen. Es bleibe aber zu fürchten, dass die Vorhaben nicht weit genug reichten. Bürokratie belaste durch die Summe zahlreicher Details. Deshalb dürfe es nicht ums Kleinklein gehen, appellierte Hund, sondern um eine merkliche Entlastung, den großen Wurf.
 
In einer aktuellen Blitzumfrage der HWK haben 111 Betriebe sämtlicher Branchen Antworten zu ihren konkreten Bürokratielasten gegeben. Die Hauptursachen sehen die Befragten vorrangig im Steuerrecht (23 Prozent), Arbeits- und Gesundheitsschutz (19 Prozent), Arbeits- und Sozialrecht sowie Datenschutz (18 Prozent). Es folgen die Abfallentsorgung (8 Prozent) und Öffentliches Baurecht (7 Prozent). Durch Statistik und Umweltrecht fühlen sich 6 Prozent belastet. Am wenigsten Probleme bereiten Außenwirtschaftsregulierungen (3 Prozent), Verkehr und Logistik (2 Prozent) sowie Lebensmittelhygiene und die Berufsbildung (jeweils 1 Prozent).
 
Die befragten Betriebe haben Auskunft über ihren bürokratiebedingten Zeitaufwand pro Jahr gegeben. Über die Hälfte (55 Prozent) wendet jährlich über 100 Stunden auf, also mehr als zweieinhalb 40-Stunden-Wochen, die nur mit Bürokratiearbeiten verbracht werden. Lediglich 6 Prozent der Befragten setzen pro Jahr 1 bis 25 Stunden an. Die übrigen Antworten verteilen sich gleichmäßig auf die Spanne zwischen 25 und 100 Stunden.
 
Zur Entlastung von Bürokratie plädieren 36 Prozent der Befragten für vereinfachte Formulare durch eine verständlichere Sprache und Vereinheitlichung bei gleichen Sachverhalten. 18 Prozent wünschen sich zentrale Anlaufstellen (einheitlicher Ansprechpartner), die einzelne Verwaltungsprozesse bündeln. Mehr Beratungsorientierung durch Verwaltungen und staatliche Stellen mit dem Ziel der Genehmigung ist 13 Prozent wichtig.
 
Weiterhin sprechen sich die Betriebe für die automatische Genehmigung nach Fristablauf aus, wobei die Frist nicht zu lange dauern darf (13 Prozent). Genannt werden zudem der Wunsch nach e-Administration durch Digitalisierung (9 Prozent) und Serviceversprechen mit Terminzielen für zügige Verwaltungsabläufe (8 Prozent).
 
HWK-Ansprechpartner bei Ideen zum Bürokratieabbau ist Thomas Oestreich, Tel.: 0251/ 5203-306.

Pressemitteilung 25/2018