Zahlen, Daten, Fakten
Konjunkturberichte
Zahlen, Trends und Entwicklungen im regionalen Handwerk auf einen Blick
Konjunkturbericht Herbst 2026
Der Schwung bleibt aus
Das Handwerk im Kammerbezirk Münster kommt auch im Herbst 2026 nicht richtig in Schwung. Die aktuelle Geschäftslage wird etwas häufiger als im Vorjahresherbst mit „gut“, zugleich aber auch häufiger mit „schlecht“ bewertet. Die Geschäftserwartungen fallen im Jahresvergleich negativer aus. Die Umsätze und Auftragsreichweiten sind zurückgegangen. Auch bei Beschäftigung und Investitionen überwiegt der Anteil der Betriebe, die Rückgänge melden. Das zeigt die Herbst-Konjunkturumfrage der Handwerkskammer Münster, an der 579 Betriebe aus dem Münsterland und der Emscher-Lippe-Region teilgenommen haben.
Geschäftsklima
Die Geschäftslage in den vergangenen sechs Monaten hat sich für die Betriebe unterschiedlich entwickelt. 39,5 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuellen Geschäfte als „gut“. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025. Gleichzeitig ist der Anteil der Betriebe mit „schlechter“ Geschäftslage von 17,5 auf 21,6 Prozent gestiegen. Als „befriedigend“ beurteilen 38,8 Prozent ihre Situation, gegenüber 46 Prozent im Vorjahresherbst. Der Saldo aus guten und schlechten Bewertungen liegt bei plus 17,9 Prozentpunkten, nach plus 19 Punkten vor einem Jahr. Damit sind sowohl die positiven als auch die negativen Bewertungen häufiger geworden, während der Anteil mittlerer Bewertungen gesunken ist.
Bei den Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate überwiegt die Skepsis. 58,4 Prozent der Betriebe rechnen mit einer gleichbleibenden Geschäftslage. 12,8 Prozent erwarten eine Verbesserung, während 28,8 Prozent eine Verschlechterung annehmen. Der Erwartungssaldo beträgt minus 16 Prozentpunkte. Im Herbst 2025 lag er bei minus 14,8 Punkten. Der Anteil der Betriebe, die eine Verschlechterung erwarten, übersteigt somit weiterhin den Anteil der Betriebe mit positiven Erwartungen.
Eine nachhaltige Erholung zeichnet sich nicht ab. Der Geschäftsklimaindikator, der die aktuelle Geschäftslage und die Erwartungen für das kommende Halbjahr zusammenfasst, fällt von 100,7 Punkten im Herbst 2025 auf 99,5 Punkte. Im Frühjahr 2026 hatte er 101,2 Punkte erreicht. Damit liegt der Indikator knapp unter der Stagnationsgrenze von 100 Punkten. Die aktuelle Geschäftslage wird im Saldo weiterhin positiv bewertet, während der Erwartungssaldo negativ ausfällt.
Im Münsterland steigt der Geschäftsklimaindikator gegenüber dem Vorjahresherbst von 99,9 auf 101,6 Punkte. Er liegt damit über der Stagnationsgrenze. 41,6 Prozent der Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als „gut“, 38,8 Prozent als „befriedigend“ und 19,6 Prozent als „schlecht“. In der Emscher-Lippe-Region sinkt der Geschäftsklimaindikator von 103,3 auf 92,8 Punkte. Dort beurteilen 33,1 Prozent der Betriebe ihre Geschäftslage als „gut“, 39 Prozent als „befriedigend“ und 27,9 Prozent als „schlecht“. Der Abstand zwischen den Geschäftsklimaindikatoren beider Regionen beträgt damit 8,8 Punkte. Im Herbst 2025 hatte der Indikator der Emscher-Lippe-Region noch um 3,4 Punkte über dem des Münsterlandes gelegen.
Kapazitätsauslastung
Die Kapazitätsauslastung beträgt durchschnittlich 78 Prozent. Im Herbst 2025 lag sie bei 78,4 Prozent, im Frühjahr 2026 bei 76,8 Prozent. Für die kommenden Monate rechnen 28 Prozent der Betriebe mit einer sinkenden und 13,2 Prozent mit einer steigenden Auslastung. 58,8 Prozent erwarten keine Veränderung. Der Erwartungssaldo beträgt minus 14,8 Prozentpunkte, nach minus 15,2 Punkten im Vorjahresherbst.
Auftragsbestand
Die durchschnittlichen Auftragsreichweiten betragen über alle Gewerke hinweg 8,3 Wochen. Im Herbst 2025 waren es 8,8 Wochen, im Frühjahr 2026 9,3 Wochen. Die rechnerische Reichweite der vorhandenen Aufträge hat sich damit im Jahresvergleich um 0,5 Wochen und gegenüber dem Frühjahr um eine Woche verkürzt.
Bei der Auftragslage berichten 19 Prozent der Betriebe von einem Anstieg, nach 15,9 Prozent im Vorjahresherbst. Bei 39,9 Prozent sind die Bestände unverändert geblieben. 41,1 Prozent verzeichnen einen Rückgang. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Auftragsbeständen verändert sich von minus 25 auf minus 22,1 Prozentpunkte. Für die kommenden sechs Monate erwarten 14,5 Prozent steigende und 29,9 Prozent sinkende Auftragsbestände. Der Erwartungssaldo liegt bei minus 15,4 Prozentpunkten, gegenüber minus 18,1 Punkten im Herbst 2025.
Umsätze
Bei den Umsätzen melden 40,7 Prozent der Betriebe einen Rückgang in den vergangenen sechs Monaten. Im Herbst 2025 waren es 37,1 Prozent. Umsatzzuwächse verzeichnen 20,5 Prozent, nach 19,7 Prozent vor einem Jahr. Bei 38,8 Prozent sind die Umsätze unverändert geblieben. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen sinkt von minus 17,5 auf minus 20,2 Prozentpunkte. Für das kommende Halbjahr rechnen 31,5 Prozent mit sinkenden, 19,1 Prozent mit steigenden und 49,4 Prozent mit unveränderten Umsätzen. Der Erwartungssaldo beträgt minus 12,3 Prozentpunkte, nach minus 14,4 Punkten im Vorjahresherbst.
Beschäftigung
24,1 Prozent der Betriebe berichten über eine gesunkene Beschäftigung in den vergangenen sechs Monaten. 15,3 Prozent haben zusätzliche Mitarbeiter eingestellt, während bei 60,7 Prozent die Beschäftigtenzahl unverändert geblieben ist. Der Beschäftigungssaldo beträgt minus 8,8 Prozentpunkte und liegt damit nahezu auf dem Niveau des Vorjahresherbstes. Für die kommenden sechs Monate rechnen 17,6 Prozent mit einem Beschäftigungsrückgang und 10,9 Prozent mit einem Anstieg. 71,5 Prozent erwarten einen unveränderten Personalbestand. Der Erwartungssaldo beträgt minus 6,7 Prozentpunkte.
Offene Stellen haben 37,5 Prozent der Betriebe. Im Herbst 2025 waren es 38,9 Prozent. Eine Zusatzauswertung zeigt Unterschiede zwischen Betrieben mit und ohne offene Stellen. Von den Betrieben mit offenen Stellen berichten 50 Prozent über eine verbesserte Geschäftslage in den vergangenen sechs Monaten, 33 Prozent über eine unveränderte und 16 Prozent über eine verschlechterte Lage. Unter den Betrieben ohne offene Stellen liegen die entsprechenden Anteile bei 32, 42 und 25 Prozent. Auch bei den Geschäftserwartungen unterscheiden sich die Gruppen. Von den Betrieben mit offenen Stellen erwarten 14 Prozent eine Verbesserung und 25 Prozent eine Verschlechterung. Bei Betrieben ohne offene Stellen liegen diese Anteile bei 12 beziehungsweise 31 Prozent. Die Ergebnisse beschreiben einen Zusammenhang zwischen offenen Stellen und Geschäftsentwicklung. Aussagen über dessen Ursachen lassen sich daraus nicht unmittelbar ableiten.
Investitionen
Bei der Investitionstätigkeit sinkt der Investitionsindikator von 85,5 Punkten im Herbst 2025 auf 78,4 Punkte. Im Frühjahr 2026 hatte er bei 80 Punkten gelegen. In den vergangenen sechs Monaten haben 35,1 Prozent der Betriebe ihre Investitionen reduziert, gegenüber 29,6 Prozent im Vorjahresherbst. 19,3 Prozent investierten mehr als zuvor. Bei 45,5 Prozent blieb das Investitionsvolumen unverändert. Der Saldo aus steigenden und sinkenden Investitionen verändert sich von minus 8,3 auf minus 15,8 Prozentpunkte.
Bei den Investitionsabsichten für das kommende Halbjahr rechnen 39,4 Prozent der Betriebe mit sinkenden Investitionen. 12,4 Prozent erwarten steigende Investitionen, 48,2 Prozent keine Veränderung. Der Erwartungssaldo liegt bei minus 27,1 Prozentpunkten, nach minus 20,2 Punkten im Herbst 2025. Sowohl bei der zurückliegenden Investitionstätigkeit als auch bei den Investitionsabsichten ist der Anteil der Betriebe mit Rückgängen im Jahresvergleich gestiegen.
Branchenkonjunktur
Das Gesundheitsgewerbe erreicht im Herbst 2026 einen Geschäftsklimaindikator von 119,1 Punkten. Das sind sechs Punkte mehr als im Vorjahresherbst (113,1 Punkte). Im Frühjahr 2026 hatte der Indikator bei 107,3 Punkten gelegen. Die aktuelle Geschäftslage wird überwiegend positiv bewertet.
Die Erwartungen für die kommenden Monate sind nahezu ausgeglichen. In der Konjunkturmatrix befindet sich die Branche an der Grenze zwischen den Bereichen Hochkonjunktur und Abschwung. Das Gesundheitsgewerbe weist den höchsten Geschäftsklimaindikator der sieben Handwerksgruppen auf.
Im Ausbaugewerbe steigt der Geschäftsklimaindikator von 95,8 Punkten im Herbst 2025 auf 103,8 Punkte. Im Frühjahr 2026 hatte er 106,2 Punkte erreicht. Die aktuelle Geschäftslage wird im Saldo positiv bewertet. Die Geschäftserwartungen bleiben dagegen negativ. In der Konjunkturmatrix befindet sich das Ausbaugewerbe damit weiterhin im Abschwungbereich. Gegenüber dem Vorjahresherbst hat sich die Bewertung der aktuellen Geschäftslage verbessert.
Die personenbezogenen Dienstleistungen erreichen einen Geschäftsklimaindikator von 104,1 Punkten, nach 103,1 Punkten im Herbst 2025. Im Frühjahr 2026 lag der Indikator bei 99,2 Punkten. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate werden im Saldo positiv bewertet. In der Konjunkturmatrix hat sich die Handwerksgruppe damit innerhalb eines Jahres vom Abschwung- in den Hochkonjunkturbereich bewegt. Die Erwartungswerte liegen dabei nur knapp im positiven Bereich.
Im Kraftfahrzeuggewerbe beträgt der Geschäftsklimaindikator 98,8 Punkte. Im Herbst 2025 waren es 102 Punkte, im Frühjahr 2026 91,9 Punkte. Die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend positiv beurteilt. Die Erwartungen für die kommenden Monate fallen im Saldo negativ aus. Die Branche befindet sich damit im Abschwungbereich der Konjunkturmatrix. Gegenüber dem Frühjahr ist der Geschäftsklimaindikator gestiegen, gegenüber dem Vorjahresherbst gesunken.
Das Bauhauptgewerbe verzeichnet einen Rückgang des Geschäftsklimaindikators von 108,9 Punkten im Herbst 2025 auf 94,6 Punkte. Im Frühjahr 2026 hatte er 103,9 Punkte erreicht. Die aktuelle Geschäftslage wird weiterhin überwiegend positiv bewertet. Die Geschäftserwartungen fallen dagegen deutlich negativ aus. In der Konjunkturmatrix liegt das Bauhauptgewerbe im Abschwungbereich. Der Rückgang des Geschäftsklimaindikators gegenüber dem Vorjahresherbst beträgt 14,3 Punkte.
Im Nahrungsmittelgewerbe sinkt der Geschäftsklimaindikator von 116,8 Punkten im Herbst 2025 auf 88,5 Punkte. Das entspricht einem Rückgang um 28,3 Punkte und damit der größten Veränderung nach unten unter den sieben Handwerksgruppen. Im Frühjahr 2026 hatte der Indikator 88,1 Punkte erreicht. Sowohl die aktuelle Geschäftslage als auch die Erwartungen für die kommenden Monate werden im Saldo negativ bewertet. In der Konjunkturmatrix hat sich das Nahrungsmittelgewerbe innerhalb eines Jahres vom Hochkonjunktur- in den Rezessionsbereich bewegt.
Die Handwerke für den gewerblichen Bedarf erreichen einen Geschäftsklimaindikator von 80,7 Punkten. Im Herbst 2025 lag er bei 93,8 Punkten, im Frühjahr 2026 bei 89 Punkten. Sowohl bei der aktuellen Geschäftslage als auch bei den Erwartungen für die kommenden sechs Monate überwiegen die negativen Bewertungen. Die Handwerksgruppe befindet sich damit im Rezessionsbereich der Konjunkturmatrix. Ihr Geschäftsklimaindikator ist der niedrigste unter den sieben Handwerksgruppen.
Teilnehmende
579 Betriebe aus 41 Gewerken im Kammerbezirk Münster haben an der Konjunkturumfrage teilgenommen.
Umfragezeitraum: 15. September bis 1. Oktober 2026
- Bauhauptgewerbe: Maurer und Betonbauer, Zimmerer, Dachdecker, Straßenbauer, Gerüstbauer
- Ausbaugewerbe: Stuckateure, Maler und Lackierer, Installateur und Heizungsbauer, Klempner, Elektrotechniker, Tischler, Raumausstatter, Glaser, Fliesen-, Platten- und Mosaikleger, Rollladen- und Sonnenschutztechniker
- Handwerke für den gewerblichen Bedarf: Feinwerkmechaniker, Elektromaschinenbauer, Land- und Baumaschinenmechatroniker, Kälteanlagenbauer, Metallbauer, Gebäudereiniger, Informationstechniker, Schilder- und Lichtreklamehersteller, Modellbauer
- Kfz-Gewerbe: Kfz-Techniker, Karosserie- und Fahrzeugbauer
- Nahrungsmittelgewerbe: Bäcker, Konditoren, Fleischer
- Gesundheitsgewerbe: Augenoptiker, Zahntechniker, Hörakustiker, Orthopädieschuhmacher, Orthopädietechniker
- Personenbezogene Dienstleistungsgewerbe: Friseure, Schuhmacher, Uhrmacher, Maßschneider, Fotografen, Textilreiniger, Kosmetiker