Presse & Medien
Zukunftsräume
Gespräche über wegweisende Lösungen von aktuellen Herausforderungen für Handwerk, Wirtschaft und Gesellschaft
Die Handwerkskammer Münster möchte mit den Zukunftsräumen Orte schaffen, an denen ein offener, inspirierender Austausch über wegweisende Lösungen für aktuelle und kommende Herausforderungen möglich wird – im Handwerk ebenso wie in Wirtschaft und Gesellschaft. Dafür bringen wir Menschen zusammen, die neue Perspektiven einnehmen, mutig vorausdenken und Veränderungen aktiv gestalten wollen.
Im Mittelpunkt stehen Gespräche, die nicht bei Problemen stehen bleiben, sondern Ideen entwickeln, Chancen sichtbar machen und konkrete Impulse für die Praxis liefern. Gemeinsam mit Visionärinnen, Visionären und Vordenkern suchen wir den Diskurs über große Zukunftsfragen – etwa, wie Nachhaltigkeit gelingen kann, wie Handwerksbetriebe resilient bleiben und welche Innovationen unsere Region voranbringen. So entstehen Räume, in denen Denken, Handeln und Vernetzen zusammenkommen für eine Zukunft, die wir gemeinsam gestalten.
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Vera von Dietlein
- 0251 5203-109
- vera.vondietlein@hwk-muenster.de
2025: Demokratien unter Druck
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Anlässlich ihres 125. Jubiläums richtete die Handwerkskammer (HWK) Münster im Münsteraner Erbdrostenhof die Aufmerksamkeit auf „Demokratien unter Druck“. Zu diesem Thema hatte sie Repräsentanten des öffentlichen Lebens zur Diskussion mit Prof. Daniel Ziblatt, Ph.D., eingeladen. Rund 80 Gäste hörten den Vortrag des Demokratieforschers an der Harvard-University und am Wissenschaftszentrum Berlin sowie Bestsellerautors („Wie Demokratien sterben“).
Kammern im Maschinenraum der Demokratie
Die Geschichte der Handwerkskammer vergegenwärtige einmal mehr, so deren Präsident Jürgen Kroos, welch kostbares Gut die Mitwirkung an der Willensbildung für Staat und Gesellschaft, und nicht zuletzt auch die Wirtschaft sei. „Den Ordnungsrahmen der Freiheit muss man regelmäßig instand halten, gegebenenfalls reparieren und notfalls neu justieren, damit er bewahrt bleibt“, sagte Kroos. Die Kammern seien im „Maschinenraum der Demokratie“ ein wichtiges Rädchen – und Engagement im Ehrenamt das Schmiermittel, das den Motor am Laufen halte.
Kroos betonte, dass Demokratie auf Menschen angewiesen sei, die Verantwortung übernehmen: „Je mehr das Unternehmertum wertgeschätzt wird, desto besser ist es um die Demokratie bestellt. Denn sie braucht eigenverantwortliche, kreative Bürger.“ Gleichzeitig warnte er vor den lähmenden Folgen von Bürokratie und Überregulierung. Diese lähmten nicht nur Unternehmergeist und Innovationsfreude, sondern untergrüben auch das Vertrauen in die Demokratie.
Demokratie braucht Mitmacher
Dr. Georg Lunemann, Direktor des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe, griff diesen Gedanken in seinem Grußwort auf. Er erinnerte daran, dass Demokratie keine Zuschauerränge habe. „Alle stehen auf der Bühne, um mitzumachen“, unterstrich er. Sie brauche Menschen, „die fest im Leben stehen“ und bereit seien, Verantwortung zu übernehmen.
Moderator Carsten Knop, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, würdigte die gesellschaftliche Bedeutung des Handwerks: „Handwerk und Handwerkskammern, ja die ganze Wirtschaft, sind eine Säule der Demokratie.“
Ziblatt: Demokratien sterben heute von innen
Daniel Ziblatt machte deutlich, dass Demokratien heute weniger durch äußere Bedrohungen gefährdet seien als durch innere Erosion. „Demokratien sterben heute auf innere Weise – durch vom Volk gewählte Politiker, die demokratisch legitimiert sind und die Institutionen nutzen. Demokratien sterben durch Wahlen und Gesetze“, erklärte Ziblatt.
Lange habe man geglaubt, „reiche Demokratien sterben nicht“ und „alte Demokratien sterben nicht“. Doch Analysen von Freiheitswerten zeigten, dass selbst stabile Demokratien verletzlich seien. Ziblatt machte deutlich, was loyale Demokraten auszeichnet: Sie akzeptieren Wahlergebnisse, lehnen politische Gewalt ab und grenzen sich klar von extremistischen Kräften ab. Demokratien gerieten dann ins Wanken, wenn politische Führungen diese Prinzipien aufgäben. „Vor lauwarmen Demokraten muss man sich in Acht nehmen“, warnte er – vor jenen, die durch Schweigen oder Toleranz gegenüber Antidemokraten den Nährboden für deren Einfluss bereiteten.
Wehrhafte Demokratie und gesellschaftliche Verantwortung
Ziblatt plädierte für eine „wehrhafte Demokratie“, die antidemokratische Tendenzen frühzeitig erkennt und klare Grenzen zieht. Zugleich warnte er vor den Dilemmata, die damit verbunden sind: „Die Frage ist, wer entscheidet, was inakzeptabel ist?“ Es brauche eine „breite Regierungskoalition“, um demokratische Prinzipien zu schützen, sowie eine aktive „soziale Moralisierung“, in der sich demokratische Kräfte zusammenschließen.
„Alle Demokraten der Gesellschaft müssen den Schulterschluss suchen. Engagement der Zivilgesellschaft wird gebraucht. Es bedarf auch der Beteiligung der Unternehmen und Gewerkschaften.“ Besonderes Gewicht legte Ziblatt auf die Rolle der Wirtschaft. „Gerade Handwerksbetriebe fördern Konsens und Integration“, sagte er.
Meinungsfreiheit von zentraler Bedeutung
Ziblatt machte deutlich, dass Demokratie ein gewisses Risiko bedeute – und dass sie mit Unsicherheit leben müsse. „Das Leben ist immer ein Risiko. Es lohnt sich, das Risiko zu akzeptieren“, sagte er. Demokratie sei eben politische Konkurrenz – eine Partei besiegt die andere.
Der Wissenschaftler betonte: „Wichtig ist, was Politiker tun, nicht was sie sagen.“ Opportunismus, auch in der Wirtschaft, könne gefährlich werden. „Wenn Politiker eine Gefahr für die Demokratie sind, muss man das laut sagen.“ Angst und vorauseilender Gehorsam seien Gift für die Demokratie. Seine Empfehlung: „Man muss seine eigene Meinung sagen können. Und: Man muss auch beleidigt sein können.“
Dialog als Fundament
Im Schlusswort hob HWK- Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz die Bedeutung des Dialogs hervor. Der Austausch zwischen Wirtschaft, Politik und Gesellschaft sei unverzichtbar, um Veränderungen gemeinsam zu gestalten und Vertrauen zu stärken.
Freitag, 7. November 2023
11 bis 13 Uhr
Zu Gast:
Harvard-Professor Daniel Ziblatt, Ph.D.
Moderation:
Moderator Carsten Knop, Herausgeber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung
2023: Nachhaltigkeit als Jahrhundertaufgabe
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„Nachhaltigkeit muss jetzt erreicht werden, und das ist die Stunde des Handwerks.“ Dessen war sich der Autor und Wissenschaftler Prof. Dr. Christian Berg in seinem Impulsvortrag auf der gestrigen (Freitag, 25. August) Veranstaltung „Nachhaltigkeit als Jahrhundertaufgabe“ sicher. Zum Diskurs und zur Diskussion über dieses Thema begrüßte Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer (HWK) Münster, etwa 60 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Leben der Region vor Ort und 320 Besucher des Livestreams.
Hund betonte: „Die Bewältigung der ökologischen, ökonomischen und sozialen Herausforderungen unserer Zeit liegt selbstverständlich auch im eigenen Interesse der Wirtschafts- und Gesellschaftsgruppe Handwerk.“ Angesichts des Fachkräftemangels, steigender Kosten und einer lahmenden Konjunktur sei es aber spannend, wie Unternehmen Ökonomie, Ökologie und Soziales optimal in eine nachhaltige Balance bringen könnten. Hund warf zudem die Frage auf, was für die nächste Etappe hin zu mehr Nachhaltigkeit gebraucht werde.
Berg, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome ist, hob hervor, dass eine grundlegende Transformation in Wirtschaft und Gesellschaft unausweichlich sei, um „Kipppunkte“, unter anderem bei Klima, Regenwäldern, Artenvielfalt und Chancen für den globalen Süden zu vermeiden. Er folgerte: „Die Welt von morgen muss anders aussehen. Wir werden alles neu denken müssen.“ Nachhaltigkeit sei vom Ziel aus zu denken; die entscheidende Frage sei: „Was sind die Grenzen des Planeten?“
Ökonomisch sei deshalb ein CO2-Preis wichtig. Der Experte räumte ein, dass rasante Veränderungen vielen Menschen Angst vor Verschlechterungen machten. Dies werde von Populisten genutzt. Er warb für eine Versachlichung der politischen Auseinandersetzung über Nachhaltigkeit, warnte vor Ideologisierung, aber auch vor einem Überbietungswettbewerb gegenüber Populisten. Große Ungleichheiten in einer Gesellschaft gelte es zu vermeiden, denn diese schafften Probleme, die Veränderungen im Weg stünden. Der soziale Zusammenhalt sei zu stärken.
Konkret empfahl der Redner neben einer Energie- und Verkehrswende auch eine Bürokratiewende. Neben technischen würden soziale Innovationen wie Carsharing und Repaircafés und mehr Zusammenarbeit in der Wirtschaft gebraucht. Nicht zuletzt nannte Berg auch individuelle Bequemlichkeiten, den „inneren Schweinehund“, den jeder selbst überwinden müsse, um eine nachhaltigere Lebensweise zu erreichen.
Für das Handwerk sieht der Wissenschaftler große Chancen durch mehr Nachhaltigkeit: Hohe Energiepreise regten zu Innovationen und Investitionen an. Handwerk zeichne sich durch eine lokale Wertschöpfung aus, etwa durch Reparaturen. „Das Handwerk hat jungen Menschen etwas zu bieten: sinnvolle Beschäftigung, mit der die Energiewende umgesetzt werde, und Qualität.“
Die Wissenschaftsjournalistin Marlis Schaum, die die Veranstaltung moderierte, wie auch Gäste stellten dem Experten die Frage, wie Verbraucher mit kleinem Geldbeutel überhaupt nachhaltiger konsumieren könnten. Berg plädierte für eine höhere Besteuerung von Einkommensstarken zur Entlastung des Konsums und außerdem für weniger Wegwerfgesellschaft. Haushaltsnahe Dienstleistungen könnten zudem gestärkt werden.
Zur Förderung von Nachhaltigkeit in der Wirtschaft sprach er sich dafür aus, in der öffentlichen Beschaffung mehr Wert auf Nachhaltigkeit zu legen und die gesamten Lebenszykluskosten von Bauprojekten in die Vergabe einzubeziehen. Sein Fazit: „Wir brauchen mehr Transparenz, mehr Ehrlichkeit und sachliche Diskussionen in der Politik. Wir brauchen mehr sachlichen Dialog in den Medien.“
Die Veranstaltung war Teil der Reihe „Zukunftsräume“, mit der die Handwerkskammer den Austausch mit Visionären und Denkern sucht. Sie will Gespräche über wegweisende Lösungen für aktuelle Herausforderungen führen.
Freitag, 25. August 2023
11 bis 13 Uhr
Zu Gast:
Prof. Dr. Christian Berg, Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft Club of Rome
Moderation:
Marlis Schaum, WDR 2 und WDR 5
2019: Handwerk wird Imagesieger der Digitalisierung sein
HWK-Zukunftsräume: Prof. Dr. Richard David Precht forderte mehr praktisches Werken an Schulen
„Hochwertiges Handwerk wird zu den Berufen gehören, die bei zunehmender Digitalisierung Zukunft haben. Handwerk wird der Imagesieger sein.“ Davon zeigte sich Prof. Dr. Richard David Precht in seinem Impulsvortrag auf der gestrigen (Freitag, 6. September) Veranstaltung „Die digitale Revolution und die Zukunft der Arbeit“ überzeugt. Zum Diskurs und zur Diskussion über dieses Thema hat Hans Hund, Präsident der Handwerkskammer Münster, rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und öffentlichem Leben aus dem ganzen Kammerbezirk im Messe und Congress Centrum Halle Münsterland begrüßt.
Das Handwerk, so Precht, sei gefordert, lautstark auf sich aufmerksam zu machen. Schulen müssten mehr auf praktisches Werken setzen und Praktiker – Meister – aus dem Handwerk sowie praxiserfahrene Lehrer einbinden. Diese Empfehlungen gab der Philosoph und Publizist zur Bewältigung der Herausforderungen für Wirtschaft, Gesellschaft und Politik. Er prognostizierte, dass im Zuge der zunehmenden Digitalisierung nicht so viele IT-Fachkräfte gebraucht würden, dass sie die massiven Arbeitsplatzverluste in zahlreichen Branchen ausglichen. Diese Gefahr bestehe vor allem, wenn die Kaufkraft sinke und die Märkte nicht wüchsen. Dann führe die technische Entwicklung nicht zur Zunahme an Beschäftigung.
Precht rechnet damit, dass künftig neben hochwertig arbeitenden Handwerkern auch Projektmanager, Empathieberufe – Berufe in denen es Menschen wichtig sei, mit Menschen zu tun zu haben – und einige wenige hochqualifizierte IT-Spezialisten nachgefragte Arbeitskräfte seien.
Moderator Ulrich Reitz brachte die Frage auf: „Was kann für einen Imagewandel des Handwerks getan werden?“ Aus Prechts Sicht sei das krampfhafte Streben nach dem Abitur und Studium eine Entwicklung, die nicht mehr lange gelte. Sein Rat an Eltern war, den Fokus mehr aufs Handwerk zu legen. Die Trennung zwischen akademischen und praktischen Berufen werde sich im Zuge der Digitalisierung auflösen, unterstrich der Wissenschaftler: „Das akademische Fußvolk wird wegfallen.“ Ziel solle ein gleichwertiger Schulabschluss mit verschiedenen Schwerpunkten, auch einem praktischen, sein.
Reitz lenkte das Thema auch auf das von Precht befürwortete bedingungsloses Grundeinkommen. Das Erfordernis begründete Precht mit massiven Arbeitsplatzverlusten bei gleichzeitiger Alterung der Gesellschaft und damit Schwächung des Sozialstaates. Der Philosoph vermutet, dass ein Grundeinkommen es vielen Betrieben, die auf Teilzeitkräfte angewiesen seien, etwa Bäckern, auch erleichtern werde dieses Personal zu finden.
Von der Digitalisierung machte Precht einen Schlenker zur Verwaisung von Innenstädten. Durch die hohe Online-Konkurrenz müssten immer mehr qualifizierte Einzelhändler in den Städten aufgeben. Er brachte eine 25-prozentige Mehrwertsteuer auf Bestellungen im Internet ins Spiel und schlug vor, die Erlöse den Kommunen zur Verfügung zu stellen. Diese könnten dann wieder beginnen, die Stadtkultur wiederherzustellen. Die Belebung der Innenstädte ist auch ein langjähriger Wunsch der Handwerkskammer Münster.
Precht betonte abschließend: „Ich bin froh über die Qualität des Handwerks in Deutschland.“ Der qualifizierte Mittelstand in Deutschland sei ein Standortvorteil gegenüber den USA und China bei weiter zunehmender Digitalisierung.
Die Veranstaltung war der Auftakt der Reihe „Zukunftsräume“, in der die Handwerkskammer den Diskurs mit Visionären und Denkern sucht. Sie will Gespräche über wegweisende Lösungen von aktuellen Herausforderungen führen.
Freitag, 6. September 2019
Zu Gast:
Richard David Precht
Moderation:
Ulrich Reitz