Verschiedene Länder Flaggen von EU-Mitgliedsstaaten

Auslandspraktika und mehr!

Sie sind Auszubildende/r im Handwerk und möchten
  • ein anderes Land und seine Kultur entdecken?
  • Ihre Fremdsprachenkenntnisse erweitern?
  • Ihr Handwerk aus einer anderen Perspektive erleben?
  • Ihre fachlichen und persönlichen Kompetenzen ausbauen?
  • Ihre Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessern?
  • selbständiger und flexibler werden?
Ein Praktikum im Ausland macht’s möglich!!

Wir unterstützen  Auszubildende und Handwerksbetriebe bei der Organisation von Auslandspraktika und bei der Beantragung finanzieller Fördermittel.

Auslandsaufenthalte sind als Individuelle Lernaufenthalte, als  Lehrlingsaustausche, Gruppenaufenthalte oder Projekte in der Entwicklungszusammenarbeit möglich.

Für leistungsstarke Auszubildende aller Berufe im Handwerk ist der/die Europaassistent/in HWK eine attraktive Zusatzqualifikation. Sie absolvieren ein mindestens dreiwöchiges Praktikum im Ausland und erhalten an einem Berufskolleg zusätzlichen Unterricht in den Fächern:
- Europäisches Waren- und Wirtschaftsrecht
- Europa- und Länderkunde
- Interkulturelle Kompetenzen
- Fremdsprache

Wir beraten Sie gerne!

Erfahrungsberichte


Erfahrungsberichte

Auslandspraktikum: Dilara Kilinc, Friseurin im 2. Lehrjahr

Ankara (Türkei): Wo andere Urlaub machen, hat die angehende Friseurin Dilara Kilinc im Sommer ein 6-wöchiges Auslandspraktikum absolviert.
Durch die Kontaktstelle Ausland der Handwerkskammer Münster hat die 20-jährige von der Möglichkeit des Auslandspraktikums erfahren und ist mit Hilfe ihrer Cousine, die in Ankara wohnt, auf den zentral gelegenen Friseursalon „Ali Gür Kuaför“ aufmerksam geworden.
Aushängeschild Social Media
Da Kilinc zum Zeitpunkt der Entscheidungsfindung nicht selbst in Ankara war, war vor allem Instagram eine große Hilfe, um sich vom Betrieb und dessen handwerklichem Niveau ein Bild zu machen.
„Mir war es wichtig, das Praktikum so effektiv wie möglich zu nutzen, viel zu lernen und viele Eindrücke und Erfahrungen zu sammeln“, so Kilinc. Überzeugt, dass ihre Erwartungen erfüllt werden, hat sie im Rahmen einer unangekündigte Probearbeit eine Hochsteckfrisur erstellt. „Das hat mir gezeigt, dass ich nicht nur als Gast, sondern als Arbeitskraft angesehen werde und eine gewisse Disziplin herrscht.“ Diese beiden Eindrücke, Instagram sowie die Probearbeit, waren die für die Entscheidungsfindung ausschlaggebenden Kriterien.

„Länderspezifische Unterschiede, die aber den Reiz eines Auslandspraktikums ausmachen“
Der Friseursalon „Ali Gür Kuaför“ beschäftigt 13 Mitarbeiter und ist sowohl ein Damen- als auch ein Herrensalon. Eine Kombination, die für Deutschland nicht außergewöhnlich, in der Türkei jedoch unüblich ist. Zudem wird der Beruf Friseur in der Türkei durch Männer, die diese berufliche Tätigkeit ausüben, dominiert. Auch hinsichtlich der handwerklichen Arbeit gibt es viele Unterschiede, wie sich Kilinc erinnert:
„In der Türkei gelangen die Friseure mit deutlich weniger Technik zum Ziel. Dort werden die Haare mit einer Echthaar-Rundbürste geglättet und mit Bürste und Föhn gelockt. In Deutschland, wie zum Beispiel auch in ihrem Ausbilungsbetrieb "Friseur und Kosmetik HAARKULT", sind hingegen das Glätteisen und der Lockenstab nicht mehr wegzudenken.“ Zudem seien die türkischen Friseure geschickter, wenn es um das Thema Haare geht. Deutsche Friseure hätten hingegen ein besseres Händchen für Kosmetik. „Auffällig ist zudem, dass die Türken hinsichtlich Frisuren und Make-Up deutlich stilbewusster sind und mehr Wert auf ein professionelles Erscheinungsbild legen. Türken gehen zum Friseur, weil es für sie zum Lebensgefühl dazugehört. Und dann ist es auch nicht verwunderlich, dass in türkischen Salons deutlich mehr Leben herrscht. Dort wird auch mal getanzt und gesungen – ein Szenario, welches in Deutschland undenkbar wäre“, so Kilinc. Genauso undenkbar wäre in Deutschland, dass Haare ausschließlich nach Intuition und Erfahrung geschnitten werden. Die Klippzange, mit deren Hilfe in Deutschland mit System geschnitten wird, wird in der Türkei nicht verwendet.

Auslandspraktikum: Ein Abenteuer der beruflichen Art mit Perspektive
Bezüglich der kollegialen Zusammenarbeit im Team sind ihre Erwartungen vollkommen erfüllt worden. Allerdings hatte sie gehofft, neue Techniken zu erlernen, um einen „dunklen Haar-Typ“ in ein „kühles Blond“ zu färben. Entgegen der Fotos, die der Betrieb auf Instagram gepostet hat, ist diese Erwartung nicht erfüllt worden, da es in ihrem Praktikumszeitraum keine entsprechenden Kundenanfragen gab.
Besonders gefreut hat sie sich über das positive Feedback ihres Chefs: „Die wollten mich gar nicht mehr gehen lassen. Der Chef bot mir eine Partnerschaft an, in deren Rahmen ich Vollzeit in dem Betrieb beschäftigt wäre und Teil der Geschäftsführung werden sollte.
Auch die Rückmeldung ihrer Kundinnen auf ihr handwerkliches Können war sehr positiv. „Ich wurde auf eine Hochzeit und zu einem Abendessen eingeladen – eine sehr persönliche und in Deutschland unübliche Art, um sich zu bedanken“, erinnert sich Kilinc.
Darüber hinaus hat sie das Praktikum nutzen können, um wichtige Kontakte in beruflicher Hinsicht zu knüpfen.
 
Auszubildenden, die über ein Auslandspraktikum nachdenken, rät Kilinc: „Absolviert dasPraktikum dort, wo es diszipliniert ist, um den Fokus auf die Arbeit und den Wissenszuwachs zu legen. Ausreichende Sprachkenntnisse sind ebenfalls von Vorteil, um möglichst viel Input aufnehmen zu können.“
 

Auslandspraktikum: Andreas Glaser, Konditor im 2. Lehrjahr

„Die Bereitschaft, sich in ein kulinarisches Abenteuer zu stürzen und die heimische Wohlfühlzone zu verlassen ist in unserer Branche unabdingbar“.
Gesagt, getan: Andreas Glaser hat im Rahmen seiner Ausbildung zum Konditor ein vierwöchiges Praktikum in Turku (Finnland) bei MBakery absolviert. Dieser Betrieb ist landesweit bekannt für seine Produkte und wurde für die Auszeichnung als beste Bäckerei und Konditorei Finnlands nominiert.
Macht der Bilder
Die Kontaktstelle Ausland der Handwerkskammer Münster hatte ihm MBakery und weitere Betriebe zur Auswahl vorgeschlagen. Ein wichtiges Entscheidungskriterium bei der Wahl des Betriebes war die professionelle Website von „MBakery“ und die Art, wie sich der Betrieb auf Facebook und Instagram präsentiert hat. „Das war unheimlich hilfreich, um sich ein Bild von deren Arbeit und Qualitätsanspruch machen zu können“, so der 24-jährige. Nach seiner Ausbildung möchte er im Bereich Pâtisserie arbeiten. „Die Bilder, die der Betrieb auf Instagram veröffentlicht hat, haben meinen Eindruck bestätigt, dass der Betrieb eine sehr breite Produktpalette hat und ich, und das war mir sehr wichtig, im Tätigkeitsfeld der Pâterisserie viel lernen werde.“

Anderes Land, andere Sitten
Angekommen in Finnland stellte sich schnell heraus, dass es zwischen Deutschland und Finnland viele länderspezifische Unterschiede gibt. „Die Molkereiprodukte sind in Finnland, bedingt durch die andere Pflanzenwelt, viel voller im Geschmack“, erinnert sich Glaser. Des Weiteren werden die Torten nicht im Vorfeld portioniert, sondern jeder Kunde schneidet sich das Kuchenstück in der gewünschten Größe selbst ab – und das sehr ordentlich und diszipliniert, wie Andreas Glaser erstaunt feststellte. Er ist sich sicher: „Das würde in Deutschland nicht funktionieren. Dann sähe es aus wie auf einem Kuchen-Schlachtfeld“. Generell sehe der Kuchen weniger nach einem Kuchen, sondern mehr nach einem Dessert aus, da die Finnen sehr detailverliebt und nicht zurückhaltend mit farbigen Akzenten seien. Dies sei in Deutschland nicht üblich, wie Andreas Glaser erklärt. Entgegen seinen bisherigen Erfahrungen in der Branche begegnet der Chef seinen Mitarbeitern auf Augenhöhe und zollt ihnen gegenüber Respekt. „Der hat den Chef nicht raushängen lassen. Da können sich deutsche Chefs eine Scheibe von abschneiden“, ist Glaser überzeugt und ergänzt: „Ich bin mir sicher, dass der für Deutschland branchenübliche Drill aufhören muss, um junge Leute nicht abzuschrecken. Schließlich habe ich ja erlebt, dass "Disziplin auch mit Respekt geht“, so Glaser.

Praktikum war in persönlicher und beruflicher Hinsicht ein Glücksgriff
Das Praktikum hat seine Erwartungen weit übertroffen. So hat er zum Beispiel Tätigkeiten gelernt, die in seinem Ausbildungsbetrieb in Deutschland nicht verlangt werden, jedoch prüfungsrelevant sind. Wie zum Beispiel das Herstellen von Eis. „Der Betrieb war eine super Ergänzung zu meiner Ausbildung in Deutschland und hat meine Lehre einen Monat lang weiter geführt“. Schließlich wurde er über den gesamten Zeitraum des Praktikums als vollwertige Arbeitskraft angesehen und in alle Arbeitsprozesse mit eingebunden. Er hat darüber hinaus viel Neues gelernt, wovon sowohl er als auch sein Ausbildungsbetrieb in Deutschland profitiert. Glaser möchte in seinem beruflichen Werdegang in der Branche vom klassischen Weg abweichen, Grenzen überschreiten und kulturübergreifend arbeiten – in Finnland hat er hierfür den ersten Schritt gemacht. Neben der finnischen Grundmentalität und der Vielfalt, Qualität und Präsentation der Produkte, hat ihn vor allem die Unternehmensphilosophie in höchstem Maße überzeugt, die sich durch eine Transparenz zwischen dem Chef und seinen Mitarbeitern auszeichnet. Am Pizza-Friday findet eine Belegschaftsbesprechung statt, bei der es keine Tabu-Themen in beruflicher Hinsicht gibt und jede Meinung gehört wird. Zwar hat jeder Mitarbeiter ein festes Aufgabengebiet, ist jedoch auch in die Aufgabengebiete der anderen Mitarbeiter eingearbeitet. Dies entschärft die Situation bei Krankheitsfällen und bietet den Mitarbeitern eine willkommene Abwechslung.
„Eine Vorgehensweise, die ich als sehr sinnvoll erachte und als kleinen Tipp bereits an meinen Chef weitergegeben habe“, so Glaser.

In Zukunft: Meister
Auch im Hinblick auf den Meistertitel, den er in Zukunft anstrebt, waren die Erfahrungen und Eindrücke in Finnland sehr wichtig, da der gelernte Koch noch nicht weiß, ob er seinen Meister als Konditor oder Koch abschließen will. „Für die Entscheidung sammele ich fleißig Erfahrungen.“ Beste Voraussetzungen für beides bringt Glaser also auf jeden Fall mit.

Internetadressen mit anschaulichen Informationen


Kontakt


Kontakt


Anita Urfell

Telefon 0251 705-1460


Andreas Bendel

Telefon 0251 705-1464

Logo Förderung Ministerium für Wirtschaft und Energie