30.06.2026
Handwerksunternehmer wünschen Wahlfreiheit bei der Altersvorsorge
HWK-Umfrage: Betriebe setzen auf Eigenverantwortung
Das Handwerk im Kammerbezirk Münster steht einer Reform der Altersvorsorge für Selbstständige grundsätzlich offen gegenüber. Gleichzeitig wünschen sich die Betriebe Wahlfreiheit und Vertrauen in die Eigenverantwortung der Unternehmer. Das ist das Ergebnis einer Umfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster, an der sich rund 660 Selbstständige im Handwerk beteiligt haben.
„Die Umfrage zeigt, dass Handwerksunternehmer Verantwortung für ihre Altersvorsorge übernehmen. Viele Betriebe haben über Jahre Vermögen aufgebaut, privat vorgesorgt oder sehen ihr Unternehmen als Teil ihrer Altersabsicherung. Dieses Engagement sollte die Politik anerkennen“, betont Kammerpräsident Jürgen Kroos. „Wenn eine Altersvorsorgepflicht eingeführt wird, braucht es eine Lösung, die Wahlfreiheit ermöglicht, bestehende Vorsorge berücksichtigt und die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit der Betriebe nicht zusätzlich belastet. Nur so wird eine Reform auf Akzeptanz stoßen.“
19 Prozent der Befragten zahlen Beiträge in die gesetzliche Rentenversicherung ein. Die überwiegende Mehrheit sorgt davon unabhängig eigenverantwortlich für das Alter vor: 78 Prozent verfügen über eine private Altersvorsorge. 58 Prozent investieren in Immobilien oder andere Vermögensanlagen, 30 Prozent sehen ihr Betriebsvermögen beziehungsweise die Unternehmensnachfolge als Bestandteil ihrer Altersvorsorge. Lediglich fünf Prozent gaben an, derzeit keine besondere Altersvorsorge zu betreiben.
Entsprechend positiv fällt auch die Selbsteinschätzung aus: Rund zwei Drittel der Teilnehmer halten ihre Altersvorsorge für ausreichend oder eher ausreichend. Bei der Frage nach einer allgemeinen Altersvorsorgepflicht für Selbstständige zeigt sich ein differenziertes Meinungsbild. Jeweils 42 Prozent der Befragten sprechen sich dafür beziehungsweise dagegen aus, weitere 15 Prozent sind unentschieden.
Deutlich eindeutiger fällt hingegen das Votum zur Ausgestaltung aus: Sollte eine Altersvorsorgepflicht eingeführt werden, wünschen sich zwei Drittel der Unternehmer eine freie Wahl zwischen gesetzlicher und privater Vorsorge. Nur jeder Fünfte bevorzugt eine verpflichtende Absicherung in der gesetzlichen Rentenversicherung.
Auch die Gründe für eine ablehnende Haltung wurden abgefragt. 68 Prozent der Gegner einer Altersvorsorgepflicht möchten selbst über ihre Absicherung im Alter entscheiden. Knapp 60 Prozent vertrauen privaten Vorsorgelösungen mehr als der gesetzlichen Rentenversicherung. 44 Prozent befürchten, dass zusätzliche Pflichtbeiträge finanziell nicht tragbar wären.
Die Freitextkommentare unterstreichen dieses Stimmungsbild. Viele Unternehmer betonen, bereits seit Jahren privat oder über Vermögensaufbau und ihr Unternehmen für das Alter vorzusorgen. Im Mittelpunkt steht daher weniger eine grundsätzliche Ablehnung einer Altersvorsorgepflicht als vielmehr der Wunsch nach einer praxistauglichen Ausgestaltung. Als wichtigste Voraussetzung nennen die Befragten die freie Wahl zwischen gesetzlicher und privater Vorsorge. Darüber hinaus wünschen sich viele, dass bereits bestehende Vorsorgeverträge und aufgebaute Vermögenswerte angemessen berücksichtigt werden. Eine geringe finanzielle Belastung ist jedem Fünften wichtig.
Pressemitteilung vom 30. Juni 2026