19.10.2026

Digitalisierung als Wettbewerbsvorteil: Digitalwoche Handwerk zeigt Chancen für Betriebe

Über 500 Teilnehmer informierten sich über KI und Digitalisierung im Handwerk

Vom 13. bis 15. Oktober zeigte die "Digitalwoche Handwerk" der Handwerkskammer (HWK) Münster, wo Künstliche Intelligenz, Robotik und andere digitale Anwendungen im Handwerk bereits eingesetzt werden können, worauf es bei der Umsetzung im eigenen Betrieb ankommt und welche Wettbewerbsvorteile sich dadurch für Handwerksbetriebe ergeben.

Bild mit KI generiert

Der Wettbewerb wartet nicht. Während der eine Betrieb Kundenanfragen bereits per KI-Telefonassistenz bearbeitet, Termine automatisch plant und Erfahrungswissen digital verfügbar macht, erledigt der andere dieselben Aufgaben noch vollständig von Hand. Dabei muss nicht gleich der gesamte Betrieb verändert werden. Oft beginnt der Nutzen bei einzelnen Büroabläufen, die regelmäßig Zeit kosten.

Mit überschaubaren Anwendungsfällen starten

Einen praxisnahen Einblick bot Handwerksunternehmer Alexander Minnich von tepu Teppichboden. In seinem Betrieb unterstützt KI inzwischen unter anderem die Wochenplanung, die Telefonassistenz und als Avatar auf der Website. Minnichs Leitgedanke: einfach machen und ausprobieren. Statt auf die perfekte Lösung zu warten, können Betriebe mit kleinen, überschaubaren Anwendungsfällen starten, Erfahrungen sammeln und die Lösungen Schritt für Schritt weiterentwickeln.

Dabei spielt auch die Kommunikation eine wichtige Rolle: Kunden können erfahren, wann und wie KI zum Einsatz kommt, und so Vertrauen in die neue Form der Kommunikation entwickeln. Gleichzeitig können Mitarbeitende ihre Erfahrungen einbringen, die Veränderungen aktiv mitgestalten und Schritt für Schritt mit den neuen Anwendungen vertraut werden.

Wenn Erfahrung bleibt: Wissen im Betrieb sichern

Eine wichtige Stärke von KI liegt nicht nur in der Unterstützung von Abläufen. Sie kann auch dabei helfen, wertvolles Erfahrungswissen im Betrieb zu sichern. Mit dem Generationswechsel stehen viele Unternehmen vor der Herausforderung, das Know-how langjähriger Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die nächste Generation nutzbar zu machen.

Wie KI dabei unterstützen kann, zeigte Prof. Dr. Johannes Schwanitz vom Institut für Technische Betriebswirtschaft der FH Münster. Sein Ansatz: „Erfahrungswissen bewahren, mit KI aufbereiten und genau dort verfügbar machen, wo es gebraucht wird – direkt im Arbeitsprozess.“ Digitale Werkzeuge können Wissen dokumentieren, strukturieren und für Mitarbeitende schnell zugänglich machen. So bleibt es im Betrieb erhalten und kann von der neuen Generation sowie von neuen Mitarbeitenden genutzt werden.

Fördermittel als Brücke von der Idee in die Praxis

An fehlender Technologie scheitern digitale Projekte heute selten. Häufiger fehlen Zeit, Orientierung oder die passenden finanziellen Rahmenbedingungen. Deshalb standen auch Fördermöglichkeiten für Digitalisierungs- und KI-Projekte auf dem Programm.

Andreas Spiller, Berater für Innovation und Technologie (BIT) bei der Handwerkskammer Münster, betonte: „Zwischen der digitalen Idee und ihrer Umsetzung liegen heute weniger technische als strategische Fragen. Förderprogramme können dabei die entscheidende Brücke sein.“ Eine klare Zielsetzung hilft, passende Maßnahmen auszuwählen und Fördermöglichkeiten frühzeitig mitzudenken.

Digitale Sichtbarkeit entscheidet zunehmend über Aufträge

KI kann Marketingprozesse erleichtern. Sichtbar werden Betriebe jedoch vor allem dort, wo potenzielle Kunden suchen. Markus Tombült von MTT media betonte: „Auch im KI-Zeitalter bleibt das Google-Unternehmensprofil die wichtigste Grundlage im regionalen Marketing eines Handwerksbetriebs.“ Aktuelle Informationen, Leistungen, Bilder, Öffnungszeiten und Bewertungen können die Auffindbarkeit deutlich verbessern.

Auch bei Social Media zählt nicht die größtmögliche Reichweite, sondern die richtige Zielgruppe. Katharina Kirstein von Living Concept erklärte: „Viral zu gehen, ist für viele Unternehmen das Ziel mit Social Media. Dabei wird oft unterschätzt, wie wertvoll eine kleinere Community sein kann – wenn sie aus den richtigen Personen besteht.“ Gerade für Handwerksbetriebe kann eine regionale und passende Zielgruppe wertvoller sein als eine große Zahl an Followern.

IT-Sicherheit: Die Tür nicht offenstehen lassen

Je stärker Betriebe digitale Werkzeuge nutzen, desto wichtiger wird der Schutz ihrer Daten und Systeme. Manuel Fischer von der Adinger IT Trainings GmbH brachte es anschaulich auf den Punkt: „Digitale Einbrecher knacken keine Schlösser. Sie schauen, ob die Tür offensteht.“

Niemand würde sein Auto offen und mit steckendem Schlüssel auf der Straße stehen lassen. Bei digitalen Zugängen passiert genau das jedoch häufig – etwa durch schwache Passwörter, fehlende Updates oder unachtsam geöffnete E-Mail-Anhänge. Regelmäßige Updates, sichere Passwörter, Zwei-Faktor-Authentifizierung und Datensicherungen helfen, die digitale Tür geschlossen zu halten.

Kostenlose Unterstützung für Handwerksbetriebe durch die HWK Münster

Die Digitalwoche Handwerk 2026 hat gezeigt: Digitalisierung muss nicht mit einem großen Projekt beginnen. Oft reicht ein konkreter Arbeitsablauf, bei dem digitale Unterstützung Zeit spart oder die Arbeit erleichtert. Entscheidend ist, passende Lösungen für den eigenen Betrieb zu finden und Schritt für Schritt umzusetzen.

Dabei unterstützen die Beratungsstellen für Innovation und Technologie (BIT) der Handwerkskammer Münster kostenlos und unabhängig:

www.hwk-muenster.de/digitalisierung

Digital-Blog der HWK Münster: Aktuelle Trends und Praxistipps zur Digitalisierung im Handwerk

Sämtliche Themen der Digitalwoche sowie weitere aktuelle Neuigkeiten und Praxistipps werden regelmäßig von unseren Digitalisierungsexperten im neuen Digital-Blog der HWK Münster veröffentlicht.

www.hwk-muenster.de/digi-blog