18.09.2020
6. Treffpunkt Ehrenamt Handwerk NRW 2020
Teilnehmerin aus dem Kammerbezirk Münster: Friseurmeisterin Rosemarie Ehrlich aus Münster, Mitglied des Vorstandes der Handwerkskammer Münster, Obermeisterin der Friseur-Innung Münster, für „Haareschneiden für Bedürftige“.
Rosemarie Ehrlich auf dem Treffpunkt Ehrenamt mit NRW-Wirtschaftsminister Prof. Dr. Andreas Pinkwart (rechts) und HWK- und WHKT-Präsident Hans Hund. Foto: HWK Münster
Friseurhandwerk schenkt Bedürftigen Freude
„Zur Nachahmung empfohlen“, mit diesem Etikett versieht Obermeisterin Rosemarie Ehrlich ein Nachhaltigkeitsprojekt der Friseur-Innung Münster.
Ortstermin im Treffpunkt an der Clemenskirche: Die katholische Unternehmensgruppe Alexianer mit Sitz Münster unterhält hier spendenfinanziert einen Zufluchtsort mit warmen Mahlzeiten und Unterstützung für Menschen in sozialen Notlagen. An jedem letzten Montag eines Monats sind die Friseure da – verlässlich, ehrenamtlich, in der Freizeit, mit wechselnder Besetzung.
Geöffnet ist von 14 bis 16 Uhr: Mit einfachen Mitteln wird der Raum in einen Salon mit Friseuratmosphäre verwandelt. Auf Tischen stehen Spiegel, das ergibt vier Arbeitsplätze. Jeder Friseur hat sein eigenes Werkzeug dabei. Die Kunden – meist Wohnungslose, aber auch Hartz-IV-Empfänger und verarmte Rentner – haben sich im Idealfall zwei Wochen vorher bei Treffpunktleiter Matthias Eichbauer angemeldet. Sie nehmen im Wartebereich Platz. Zeitschriften sind ausgelegt. Wer an der Reihe ist, kann Frisurwünsche äußern oder sich beraten lassen und bekommt schließlich mit dem gleichen Respekt und der Höflichkeit wie gegenüber zahlenden Kunden einen individuellen Trockenschnitt.
Heute sind Maik Rosenbaum und Zehra Kocak im Einsatz. Für ihn ist es das erste Mal, für sie das zweite Mal. Beide sind Mitarbeiter von Münsteraner Salons, montags haben sie frei. „Ich wollte eigentlich schon immer so etwas machen, aber keine Leute auf der Straße ansprechen“, erzählt Rosenbaum, während er einem Herrn um die Sechzig einen akuraten Mecki schneidet. Deshalb habe er sich im Doodle-Kalender der Innung für heute eingetragen. „Einfach nur so.“ Der Igelschnittträger strahlt für einen Moment, nachdem die Konturen wie genaue Striche gezogen sind. Als Nächstes ist eine Mittfünfzigerin dran. Wie beim letzten Mal hätte sie gern wieder einen Kurzhaarschnitt. Vom Hart-VI-Satz könne sie sich keinen regelmäßigen Friseurbesuch leisten. Sie findet den Freiwilligeneinsatz toll und freut sich wenig später über die gepflegte Frisur.
Kocak macht der Termin Spaß. Sie legt einer verunsichert wirkenden Jugendlichen mit blond-grünen, wild gewachsenen Haaren den Umhang um und macht Vorschläge für ein neues Styling. Schnell scheint die junge Frau offener zu werden, die Anregungen des Profis findet sie gut. Die Fachkräfte finden rasch einen Draht zu den Kunden.