06.11.2026

Phishing erkennen: So schützt du deinen Handwerksbetrieb (Teil2)

Dienstag, 9:15 Uhr. Malerin Sarah bekommt eine Mail von ihrem "Lieferanten" – neue Bankdaten für die nächste Überweisung. Fast hätte sie auf "Antworten" geklickt. ​Doch dann fällt ihr Blick auf eine verdächtige Absenderadresse. . Sie hat einen Phishing-Versuch erkannt – und ihren Betrieb vor einem großen Schaden bewahrt.

Porträt von Norbert Speier

Beitrag von Norbert Speier

Telefon: +49 209 3807-722

E-Mail: norbert.speier@hwk-muenster.de

Phishing kann sich hinter scheinbar alltäglichen Nachrichten verbergen. Bild mit KI generiert

Im ersten Teil dieser Serie hast du erfahren, was Phishing ist und wie es funktioniert. Jetzt geht es ans Eingemachte: Wie erkennst du Phishing-Versuche? Wie schützt du dich und deinen Betrieb? Und wie sorgst du dafür, dass auch deine Mitarbeitenden wachsam sind?


Die Anatomie einer Phishing-Mail: Worauf du achten musst

Phishing-Mails werden immer professioneller. Trotzdem gibt es verräterische Merkmale, die dir helfen, Fälschungen zu enttarnen. Schauen wir uns diese Schritt für Schritt an:

1. Der Absender: Wer schreibt dir wirklich?

Das ist verdächtig:

  • Seltsame E-Mail-Adressen: statt
  • Kleine Schreibfehler: (mit einem speziellen Zeichen)
  • Fremde Domains: oder , Endungen
  • Persönliche Adresse für Firmenmails: für angeblich offizielle Post

Dein Check:
Fahre mit der Maus über den Absendernamen (nicht klicken!). Die tatsächliche E-Mail-Adresse wird angezeigt. Passt sie zum angeblichen Absender?



2. Die Anrede: Kennt man dich überhaupt?

Warnzeichen:

  • Unpersönlich: "Sehr geehrter Kunde" oder "Lieber Nutzer"
  • Falsch geschrieben: "Herr Müler" oder "Sarah Schmitt" (wenn du Schmidt heißt)
  • Gar keine Anrede

Bedenke: Deine Bank, dein Steuerberater oder deine Handwerkskammer kennen deinen Namen. Echte Mails sind fast immer persönlich adressiert.

 

3. Der Inhalt: Was wird von dir verlangt?

Typische Phishing-Trigger:

Dringlichkeit und Drohungen:

  • "Dein Konto wird in 24 Stunden gesperrt!"
  • "Letzte Mahnung!"
  • "Sofortiger Handlungsbedarf!"

Verlockende Angebote:

  • "Du hast gewonnen!"
  • "Exklusiver Rabatt nur für dich!"
  • "Steuerrückerstattung – jetzt abholen!"

Aufforderungen zu Handlungen:

  • "Klicke hier, um deine Daten zu bestätigen"
  • "Öffne den Anhang für die Rechnung"
  • "Verifiziere dein Konto sofort"

Ungewöhnliche Anfragen:

  • Deine Bank fragt nach dem Passwort (macht sie nie!)
  • Ein Lieferant ändert "plötzlich" seine Bankverbindung
  • Du sollst Geschenkgutscheine kaufen und die Codes zusenden

4. Die Sprache: Wie ist der Text formuliert?

Verdächtige Merkmale:

  • Rechtschreib- und Grammatikfehler: "Ihre Sendung konten nicht zugestelt werden"
  • Holpriges Deutsch (oft automatisch übersetzt): "Wir bedauern Sie zu informieren über Problem". Findet sich im Zeitalter der KI immer seltener.
  • Unpassender Ton: Zu förmlich oder zu salopp
  • Übertriebene Höflichkeit oder aggressive Sprache

So prüfst du Links (OHNE zu klicken):

  1. Fahre mit der Maus über den Link (auf dem Smartphone: Link gedrückt halten)
  2. In der Statusleiste oder im Tooltip siehst du die echte Ziel-URL
  3. Prüfe: Passt die Domain?

Beispiele für gefälschte Links:

Goldene Regel: Im Zweifelsfall nicht klicken! Gib die Webseite manuell in deinem Browser ein.

6. Anhänge: Die versteckte Gefahr

Hochriskante Dateitypen:

  • , , – Ausführbare Dateien (haben in Mails nichts verloren!)
  • , – Gepackte Dateien (können Schadsoftware enthalten)
  • , – Office-Dokumente mit Makros
  • Doppelte Dateiendungen:

Bei unerwarteten Anhängen:

  1. NICHT öffnen
  2. Beim Absender telefonisch (!) nachfragen
  3. Mit Virenschutz scannen
  4. Im Zweifelsfall löschen

7. QR-Codes: Die neue Gefahr

Warnzeichen bei QR-Codes:

  • QR-Code in unerwarteten E-Mails ("Rechnung per QR-Code")
  • Aufforderung zum sofortigen Scannen
  • Angeblich von Bank, Behörde oder Lieferant
  • Dringlichkeit: "Scan sofort für Lieferung"

Dein Check:

  • Nutze einen QR-Scanner mit URL-Vorschau
  • Prüfe die angezeigte URL vor dem Öffnen
  • Scanne keine QR-Codes aus unerwarteten E-Mails oder SMS

Der 10-Sekunden-Phishing-Check

Bevor du auf einen Link klickst, einen Anhang öffnest oder Daten eingibst, stelle dir diese Fragen:

  • Erwarte ich diese Nachricht?
  • Kenne ich den Absender persönlich?
  • Passt die E-Mail-Adresse zum Absender?
  • Bin ich persönlich angesprochen?
  • Ist der Ton angemessen (nicht übertrieben dringend)?
  • Gibt es Rechtschreibfehler oder seltsame Formulierungen?
  • Wohin führt der Link wirklich?
  • Ist der Anhang erwartet und sicher?

Wenn du auch nur bei EINER Frage unsicher bist: Stopp!


Deine Verteidigungslinien: So schützt du deinen Betrieb

Phishing zu erkennen ist wichtig – aber noch besser ist es, wenn gefährliche Mails gar nicht erst bei dir ankommen oder keinen Schaden anrichten können.

Technische Schutzmaßnahmen

1. Spam- und Phishing-Filter aktivieren

  • Moderne E-Mail-Anbieter filtern die meisten Phishing-Mails automatisch heraus
  • Prüfe, ob der Filter aktiviert ist
  • Markiere Phishing-Mails als Spam (hilft dem Filter zu lernen)

2. Aktueller Virenschutz

  • Installiere eine gute Antivirus-Software
  • Halte sie immer aktuell (automatische Updates!)
  • Scanne regelmäßig dein System
  • Empfehlenswert: Lösungen mit Echtzeit-Schutz vor Phishing

3. Software-Updates

  • Halte Betriebssystem, Browser und Programme aktuell
  • Viele Updates schließen Sicherheitslücken
  • Aktiviere automatische Updates, wo möglich

4. Zwei-Faktor-Authentifizierung (2FA)

  • Aktiviere 2FA für alle wichtigen Konten (Bank, E-Mail, Online-Shops)
  • Selbst wenn Betrüger dein Passwort haben, kommen sie nicht rein
  • Nutze Apps wie Google Authenticator oder SMS-Codes

5. Browser-Sicherheit

  • Moderne Browser warnen vor Phishing-Seiten
  • Achte auf das Schloss-Symbol in der Adressleiste (HTTPS)
  • Nutze Browser-Erweiterungen für zusätzlichen Phishing-Schutz

6. Regelmäßige Backups

  • Sichere wichtige Daten regelmäßig (täglich oder wöchentlich)
  • Speichere Backups offline oder in der Cloud
  • Bei Ransomware-Angriff kannst du Daten wiederherstellen
  • Teste deine Backups: Funktioniert die Wiederherstellung?

Organisatorische Schutzmaßnahmen

1. Klare Prozesse für sensible Aktionen

Lege Regeln fest, wie in deinem Betrieb mit sensiblen Dingen umgegangen wird:

Beispiel: Änderung von Bankverbindungen

  • Niemals per E-Mail akzeptieren
  • Immer telefonisch rückbestätigen (mit bekannter Nummer!)
  • Erst dann die Änderung durchführen
  • Bei neuen Lieferanten: Daten nur von offiziellen Dokumenten übernehmen

Beispiel: Überweisungen

  • Großen Überweisungen immer vom Chef freigeben lassen
  • Vier-Augen-Prinzip bei Beträgen über X Euro
  • Keine Überweisungen unter Zeitdruck
  • Bei ungewöhnlichen Anfragen: Rückfrage per Telefon

2. Berechtigungen einschränken

  • Nicht jeder Mitarbeiter braucht Zugriff auf alles
  • Buchhaltungs-Zugang nur für berechtigte Personen
  • Administratoren-Rechte nur wo nötig
  • Prinzip der minimalen Berechtigung

3. Starke Passwörter

  • Mindestens 12 Zeichen, Groß-/Kleinbuchstaben, Zahlen, Sonderzeichen
  • Für jeden Dienst ein eigenes Passwort
  • Nutze einen Passwort-Manager (z.B. KeePass, Bitwarden, 1Password)
  • Niemals: "Handwerk2024" oder "Passwort123"