Grandiose Stimmung im Handwerk


30. November 2018 | Konjunkturumfrage: Betriebe blicken mit Zuversicht in die Zukunft
„Die Stimmung im Handwerk ist grandios mit einem zuversichtlichen Blick in die Zukunft.“ So fasste Präsident Hans Hund am Freitag (30. November) die Ergebnisse der Herbstkonjunkturumfrage der Handwerkskammer (HWK) Münster zusammen. 444 Betriebe aus sieben Branchen im Kammerbezirk Münster haben darin Auskunft über ihre Geschäftslage gegeben.
 
Der Geschäftslageindikator aus aktueller Lage und Prognose erzielte mit 134,7 Prozentpunkten einen neuen Herbstrekord. In beiden Regionen des Kammerbezirks Münster gebe es einen goldenen Herbst, so Hund: Die Geschäftslageindikatoren erreichten sowohl im Münsterland mit 136,9 und in Emscher-Lippe mit 127,5 Prozentpunkten saisonbezogene Spitzenwerte.
 
Sensationelle 65 Prozent der Handwerksunternehmen bezeichneten ihre Geschäftslage als „gut“, 10 Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. „Die Entwicklung seit dem Herbst 2010 gleicht einem Höhenflug, wie wir ihn seit Beginn der Konjunkturbeobachtung der HWK in 1977 noch nicht erlebt haben“, kommentierte Hund.
 
30 Prozent finden ihre Situation „befriedigend“. Nur 5 Prozent der Betriebe berichten von „schlechten“ Geschäften.
 
Die Kapazitäten sind zu 83 Prozent ausgelastet, vergleichbar hoch wie im Vorjahr. Die Auftragsreichweiten erhöhten sich in den vergangenen sechs Monaten wiederum: auf 8,7 Wochen. Der Saldo aus verbesserter und verschlechterter Auftragslage liegt bei 28 Prozentpunkten.
 
Trotz des Konjunkturhochs und allgemeiner Kostensteigerungen bieten 59 Prozent der befragten Betriebe ihre Leistungen zu gleichbleibenden Verkaufspreisen an. Lediglich ein Drittel realisiert steigende Preise. Hund: „Sie können steigende Stundenkostensätze nicht mehr selber auffangen, sondern geben sie zumindest teilweise an Kunden weiter.“
 
Die Umsätze haben sich weiter verbessert (Saldo: 21 Prozentpunkte).
 
Obwohl es in den meisten Branchen zunehmend schwierig werde, Fachkräfte zu finden, so Hund, sei der Beschäftigungssaldo im Plus: Jeder vierte Betrieb hat in den vergangenen sechs Monaten Mitarbeiter eingestellt, nur jeder Achte musste seinen Personalstamm verkleinern (Beschäftigungssaldo: 11 Prozentpunkte).
 
Über alle Branchen hinweg blicken die Betriebe optimistisch in die Zukunft. Jeder Fünfte prognostiziert sogar, dass sich die Geschäftslage in den kommenden 6 Monaten verbessert – und das gegenüber dem sowieso schon sehr hohen Ausgangsniveau. 76 Prozent erwarten eine gleichbleibende Konjunktur, nur 5 Prozent eine Verschlechterung. Der Prognosesaldo aus optimistischen und pessimistischen Betrieben von 14 Prozentpunkten sei besser als im Vorjahr und mit Blick auf das anstehende Winterhalbjahr ein starkes Signal, meldet die HWK.
 
Die Betriebe haben Investitionen in die Zukunft getätigt (Saldo: 28 Prozentpunkte) und wollen weiter investieren. Sie planen einen weiteren Beschäftigungsaufbau. „Die Zukunftsperspektiven im Handwerk sind für Auszubildende und Fachkräfte rosig“, unterstrich Hund. In allen Branchen mache sich ein Engpass an Lehrstellenbewerbern und Fachkräften bemerkbar.
 
Ein Vergleich der Branchengeschäftslage zeigt anhand der Saldos von positiven und negativen Bewertungen:
 
Das Bauhaupt- und das Ausbaugewerbe haben ihre ersten Ränge im Konjunkturranking weiter aufgestockt (Geschäftslagesaldo: jeweils 76 Prozentpunkte). Im Ausbaugewerbe können sich 78 Prozent der Befragten über eine „gute“ Geschäftslage freuen, im Bauhauptgewerbe 76 Prozent. Wegen des Baubooms müssen Kunden lange Wartezeiten für ihre Aufträge einplanen: 14 Wochen im Bauhauptgewerbe und 12 Wochen im Ausbaugewerbe.
 
Die Konjunkturmaschine der Anbieter für den gewerblichen Bedarf (57 Prozentpunkte) läuft wie geschmiert. Sie glänzen ebenfalls mit einer Top-Auftragslage. Die Aufträge reichen 9 Wochen weit. Die Kapazitäten sind zu 84 Prozent ausgelastet. Die Umsätze steigen stark.
 
Das Gesundheitsgewerbe strotzt vor Kraft (50 Prozentpunkte) und zeigt den größten Zukunftsoptimismus aller Branchen. Die Umsätze nahmen deutlich zu, die Branche hat die Preise am stabilsten gehalten.
 
Auch im Kraftfahrzeuggewerbe fährt die Konjunktur bergauf (47 Prozentpunkte) mit guter Aussicht ins nächste Halbjahr. Trotz einer verbesserten Auftragslage herrscht Preisdruck.
 
Zuckerguss mit leichtem Bittergeschmack gibt es im Nahrungsmittelgewerbe (24 Prozentpunkte), weil Wachstumsdynamik und Kapazitätsauslastung im Jahresvergleich nachgelassen haben.
 
Der Daumen wird auch bei der Konjunktur im personenbezogenen Dienstleistungsgewerbe (21 Prozentpunkte) hochgehalten, allerdings bei gesunkener Beschäftigung – als einzige Branche –, obwohl sich die Auftragslage gegenüber dem Vorjahr verbesserte.
 
Das Handwerk im Kammerbezirk Münster ist konjunkturell, aber auch strukturell stark. HWK-Hauptgeschäftsführer Thomas Banasiewicz teilte mit, dass aktuell 28.508 Handwerksbetriebe im Münsterland und in der Emscher-Lippe-Region einen Jahresumsatz in Höhe von 24,8 Milliarden Euro erwirtschafteten und rund 195.400 Mitarbeiter beschäftigten, darunter 15.300 Auszubildende.
 
15 Prozent aller Erwerbstätigen im Kammerbezirk sind im Handwerk tätig. Das ist überdurchschnittlich: NRW-weit sind es weniger, nur 12 Prozent aller Erwerbstätigen. Hier erlernen 32 Prozent aller Auszubildenden einen Handwerksberuf, in ganz NRW sind es 26 Prozent. „Das heißt, unsere Betriebe sind im Landesvergleich in der Ausbildung sehr aktiv“, betonte Banasiewicz.
 
Auch der Lehrstellenmarkt entwickele sich weiter erfreulich. Seit Jahresbeginn haben die Handwerksbetriebe 2 Prozent mehr neue Lehrverträge abgeschlossen als zum gleichen Zeitpunkt des Vorjahres. Insgesamt gibt es 5.445 neue Auszubildende.
 
Die verstärkte Nachwuchsgewinnung trage ebenso wie das Umwerben neuer Beschäftigungsgruppen – Zugewanderte, Geflüchtete, Frauen, Ältere, Langzeitarbeitslose – sowie die Übernahme von Kleinstbetrieben und Soloselbstständigen zum Personalzuwachs bei. „Das zeigt, dass das Handwerk viel für die Personalgewinnung tut und sich als Arbeitgebermarke positionieren will“, betonte Hund.

Pressemitteilung 57/2018