Cyber-Risiken erkennen, Schutzmaßnahmen ergreifen


Gruppenbild Cyber-Sicherheitstag: Dr. Timo Hauschild (BSI), Hans Hund (HWK) und Robert Härtel (ZDH) (v.l.)

Für mehr Datensicherheit: Dr. Timo Hauschild (BSI), Hans Hund (HWK) und Robert Härtel (ZDH) (v.l.). Foto: HWK

12. Juli 2018 | Lücken in der Sicherheit von Informationstechnik (IT) sind nach einer Umfrage der Handwerkskammer Münster für 40 Prozent von 320 befragte Betrieben eine Hürde für den digitalen Fortschritt. Diese Zahl stellte Kammpräsident Hans Hund zum Auftakt des Cyber-Sicherheits-Tags im HBZ Münster vor. 120 Fachleute aus Handwerksbetrieben waren gekommen, um Tipps von der Allianz für Cyber-Sicherheit, dem Kompetenzzentrum Digitales Handwerk und der Handwerkskammer (HWK) Münster zu erhalten.
 
Hund wies auf die Gemeinschaftsaktion „Handwerk digital“ von HWK und den Kreishandwerkerschaften im Kammerbezirk hin. Sie halten auf der Internetplattform handwerkdigital.org ein kostenloses Dienstleistungspaket aus Information, Weiterbildung und Beratung für Handwerksbetriebe bereit. Der Service soll insbesondere kleinere Betriebe unterstützen, die sich keine eigenen Spezialisten leisten.

Eine rasante Entwicklung der Digitalisierung in den kommenden drei Jahren prognostizierte Dr. Timo Hauschild, Fachbereichsleiter des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Er präsentierte Zahlen, nach denen sich gegenüber 2016 bis 2021 das übertragene Datenvolumen vervierfache, statistisch jeder in Deutschland neun webfähige Geräte besitzen und die Vernetzung zwischen Maschinen von 6 auf 14 Milliarden Geräte zunehme werde. Gleichzeitig steigerten sich aber auch die Angriffe zur Lahmlegung von Webseiten von 1,3 auf 3,1 Millionen pro Jahr. Die zehn meistgenutzen Softwareprodukte wiesen über 1.000 Sicherheitslücken auf, so Hauschild. Das BSI setze deshalb mit seinen Dienstleistungen auf Prävention, das Aufspüren (Detektion) von Mängeln und entsprechende Reaktion.

Für mehr Datensicherheit in Handwerksbetrieben wollen der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) und das BSI bis Jahresende „IT-Grundschutzprofile“ für verschiedene Handwerksbranchen zum Herunterladen bereitstellen. Dafür würden, wie ZDH-Referatsleiter Robert Härtel ausführte, zurzeit umfangreiche Informationen zusammengestellt. „Diese Profile sollen es Unternehmen erleichtern, ihre IT-Sicherheitskonzepte individuell anzupassen“, so Härtel.

In acht verschiedenen Workshops bekamen Teilnehmer am Cyber-Sicherheits-Tag Tipps von Experten für mehr Datensicherheit. Dabei ging es auch um die Sicherheit von Unternehmenswebseiten, die nach der Erfahrung von Michael Weirich vom eco – Verband der Internetwirtschaft von zwei Faktoren abhinge: von der Technik und dem Menschen hinter dem Bildschirm. Er appellierte daran, insbesondere Mitarbeiter der Personalabteilung und Buchhaltung für das Erkennen von Internetbetrug zu sensibilisieren. Viele Risiken ließen sich zudem durch Webserver, Sicherheitszertifikate, Konfigurationen, Softwareupdates und das regelmäßige Überprüfen von Schwachstellen eindämmen. Der kostenlose Dienst „Siwecos – auf der sicheren Seite“ von eco und der Ruhr Universität Bochum biete unter siwecos.de einen Sicherheits-Schnell-Check für Webseiten an.

Patrick Jung (secion) gab Tipps zu sicheren Passwörtern und empfahl unter anderem für jeden Zugang ein eigenes Passwort zu nutzen und dafür keine Standardwörter zu nehmen. Lange Passwörter mit niedriger Komplexität böten einen guten Schutz vor Hackern, beispielweise „MeinHundistbraunundseinNameistHugo“. Insbesondere bei Bezahldiensten wie Paypal sei eine Zwei-Faktor-Authentifizierung sinnvoll.

Auf der Webseite von BSI für Bürger finden auch kleine Unternehmen Tipps und Checklisten zum Thema.

Betriebe im Kammerbezirk, die Fragen zur Datensicherheit haben, können sich bei der Handwerkskammer Münster an Andreas Spiller (Tel.: 0251/ 5203-322) und Norbert Speier (Tel.: 0209/ 38077-22) wenden.

handwerkdigital.org
bsi-fuer-buerger.de